"Wie Gertrud ihre Kinder lehrt" (1801)

Textauszug

Freund! der Mensch ist gut und will das Gute; er will nur dabei auch wohl sein, wenn er es tut; und wenn er böse ist, so hat man ihm sicher den Weg verrammelt, auf dem er gut sein wollte. O, es ist ein schreckliches Ding um dieses Wegverrammeln, und es ist so allgemein, und der Mensch ist deshalb auch so selten gut! Aber dennoch glaube ich ewig und allgemein an das Menschenherz und gehe jetzt in diesem Glauben meine bodenlose Straße, wie wenn sie ein römisch gepflasterter Weg wäre. Doch ich wollte dich in den Wirrwarr des Ideengangs hineinführen, durch den ich mich hindurcharbeiten mußte, um über die mechanischen [] Formen des Unterrichts und ihre Unterordnung unter die ewigen Gesetze der sinnlichen Natur mir in mir selbst Licht zu verschaffen.

Freund! ich will dir zu diesem Endzweck einige Stellen aus dem Bericht abschreiben, den ich ungefähr vor einem halben Jahr an einige Freunde meiner Anstalt über meine Versuche abstattete, die meinen Ideengang vielseitig erheitern.

"Der Mensch", sagte ich in dieser Schrift [], "wird nur durch die Kunst Mensch, aber soweit sie auch geht, diese Führerin unserer selbst, die wir uns selber erschaffen, so muß sie sich in ihrem ganzen Tun dennoch fest an den einfachen Gang der Natur anketten. Was sie immer leistet und wie kühn sie uns aus dem Stand und selbst aus dem Recht unseres tierischen Daseins heraushebt, so ist sie doch nicht imstande, zu dem Wesen der Form, durch welche unser Geschlecht sich von verwirrten Anschauungen zu deutlichen Begriffen erhebt, auch nur ein Haar [] hinzufügen. Sie soll es auch nicht. Sie erfüllt ihre Bestimmung zu unserer Veredelung wesentlich nur dadurch, daß sie uns in dieser und in keiner anderen Form entwickelt, und wirft uns, sobald sie es in irgendeiner anderen zu tun versucht, dadurch insoweit in jedem Fall in den nicht humanen Zustand zurück, aus dem sie uns herauszuheben von dem Schöpfer unserer Natur bestimmt ist. Das Wesen der Natur, aus welchem die Form der Entwicklungsweise, deren unser Geschlecht bedarf, entquillt, ist an sich selbst unerschütterlich und ewig, und in Rücksicht auf die Kunst ist und muß es ihr ewiges und unerschütterliches Fundament sein. Auch erscheint sie dem Auge jedes nicht oberflächlichen Forschers in ihrem höchsten Glanz nicht anders als ein erhabenes Haus, das durch ein unmerkliches Hinzusetzen einzelner kleiner Teile sich über einen großen, ewig stehenden Felsen erhoben (hat) und, solange es mit demselben innigst verbunden (ist), unerschütterlich auf demselben ruht, aber auch plötzlich einstürzt und in das Nichts der kleinen Teile, aus denen es entsprungen, zerfällt, wenn das Band zwischen ihm und dem Felsen auch nur um einige Linien zerrissen wird. So unermeßlich das Resultat der Kunst an sich selbst und in seinem ganzen Umfang ist, so klein und unmerklich ist in jedem Fall das Einzelne, was die Kunst zum Gang der Natur hinzusetzt oder vielmehr auf das Fundament desselben anbaut. Ihre Maßnahmen zur Entwicklung unserer Kräfte beschränken sich wesentlich darauf, daß sie das, was die Natur zerstreut, in großer Entfernung und in verwirrten Verhältnissen uns vorlegt, in einen engeren Kreis und in regelmäßigen Reihenfolgen zusammenstellt und unseren fünf Sinnen nach Verhältnissen näherbringt, welche unser Erinnerungsvermögen erleichtern und unsere Sinne selbst dahin erheben, uns die Gegenstände der Welt täglich zahlreicher, dauerhafter und richtiger vorzustellen. Auch ruht ihre ganze Kraft auf der Übereinstimmung [] ihres Einflusses und ihrer Wirkungen mit den wesentlichen Wirkungen der physischen Natur selber - ihr ganzes Tun ist mit demjenigen dieser Natur eins und ebendasselbe.

Mensch! Ahme es nach, dieses Tun der hohen Natur, die aus dem Kern auch des größten Baumes zuerst nur einen unmerklichen Keim treibt, aber dann durch ebenso unmerkliche, als täglich und stündlich fließende Zusätze, zuerst die Grundlage des Stammes, dann diejenigen der Hauptäste und endlich diejenige der Nebenäste bis an das äußerste Reis, an dem das vergängliche Laub hängt, entfaltet. Faß es ins Auge, dieses Tun der hohen Natur, wie sie jeden einzelnen gebildeten Teil pflegt und schützt und jeden neuen an das gesicherte Leben des alten anschließt.

Faß es ins Auge, wie sich ihre glänzende Blüte aus tief gebildeten Knospen entfaltet, wie sie dann den blumenreichen Glanz ihres ersten Lebens schnell verliert und als schwache, aber im ganzen Umfang ihres Wesens vollständig gebildete Frucht jeden Tag immer etwas, aber etwas Wirkliches, zu dem, was sie schon ist, hinzusetzt und so Monate lang still wachsend am nährenden Ast hängt, bis sie vollends gereift und in allen ihren Teilen vollendet vom Baum fällt.

Faß es ins Auge, wie die Mutter Natur schon bei dem Entfalten der ersten emporsteigenden Sprossen auch den Keim der Wurzel entfaltet und des Baumes edelsten Teil tief in den Schoß der Erde vergräbt, wie sie hinwieder den unbeweglichen Stamm tief aus dem Wesen der Wurzel, die Hauptäste tief aus dem Wesen des Stammes und die Nebenäste tief aus dem Wesen der Hauptäste herausbildet und allen, auch den schwächsten äußersten Teilen, genügsam, aber keinem, keinem einzigen unnütze, unverhältnismäßige und überflüssige Kraft gibt.

Der Mechanismus der sinnlichen Menschennatur ist in seinem Wesen den nämlichen Gesetzen unterworfen, durch welche die physische Natur allgemein ihre Kräfte entfaltet. Nach diesen Gesetzen soll aller Unterricht das Wesentlichste seines Erkenntnisfaches unerschütterlich tief in das Wesen des menschlichen Geistes eingraben, dann das weniger Wesentliche nur allmählich, aber mit ununterbrochener Kraft an das Wesentliche anketten und alle ihre Teile bis an das äußerste ihres Faches in einem lebendigen, aber verhältnismäßigen Zusammenhang mit demselben erhalten."

Ich suchte nun die Gesetze, denen die menschliche Geistesentwicklung vermöge ihrer Natur selber unterworfen werden muß, aufzufinden. Ich wußte, daß sie mit denjenigen der physisch sinnlichen Natur die nämlichen sein mußten, und glaubte in ihnen den Faden sicher zu finden, aus dem sich eine allgemein psychologische Unterrichtsmethode herausspinnen lasse. Mensch! sagte ich im träumenden Suchen dieses Fadens zu mir selber, so wie du in jeder physischen Reifung das Resultat der gänzlich vollendeten Frucht in allen ihren Teilen erkennst, also achte kein menschliches Urteil für reif, das dir nicht als ein Resultat einer in allen Teilen vollendeten Anschauung des zu beurteilenden Gegenstandes ins Auge fällt. Achte im Gegenteil jedes Urteil, das vor einer vollendeten Anschauung bei einem Menschen reif scheint, für nichts anderes als für eine vom Baum abgefallene, wurmstichige und nur darum reif scheinende Frucht.

  1. Lerne deswegen erstlich deine Anschauungen ordnen und das Einfache vollenden, ehe du zu etwas Verwickeltem fortschreitest. Suche in jeder Kunst eine Stufenfolge der Erkenntnis zu reihen, in welcher jeder neue Begriff nur ein kleiner, fast unmerklicher Zusatz zu tief eingeprägten und dir selbst unvergeßlich gemachten früheren Erkenntnissen ist.
  2. Bringe ferner alle wesentlich zusammengehörigen Dinge in deinem Geist in eben den Zusammenhang, in dem sie sich in der Natur wirklich befinden. Unterordne alle unwesentlichen Dinge in deiner Vorstellung den wesentlichen und vorzüglich den Eindruck, den die Kunstansicht [] derselben auf dich macht, demjenigen der Natur und ihrer wirklichen Wahrheit und gib keiner Sache in deiner Vorstellung ein größeres Gewicht, als sie verhältnismäßig für dein Geschlecht in der Natur selber hat.
  3. Verstärke und verdeutliche die Eindrücke wichtiger Gegenstände dadurch, daß du sie dir durch die Kunst näherbringst und durch verschiedene Sinne auf dich wirken machst. Erkenne zu diesem Endzwecke vor allem aus das Gesetz des physischen Mechanismus, welches die verhältnismäßige Kraft aller Einwirkungen von der physischen Nähe oder Ferne jedes deine Sinne berührenden Gegenstandes von deinen Sinnen selber abhängig [] macht. Vergiß es nie, diese physische Nähe oder Ferne bestimmt alles Positive in deiner Anschauung, in deiner Berufsbildung und selbst in deiner Tugend.
  4. Achte alle Wirkungen der physischen Natur für unbedingt notwendig und erkenne in dieser Notwendigkeit das Resultat ihrer Kunst, mit der sie die heterogen scheinenden Elemente ihres Stoffes durch Ebenmaß zur Vollendung ihres Zweckes unter sich selber vereinigt, und laß die Kunst, mit der du durch den Unterricht auf dein Geschlecht wirkst, ebenso die Resultate, die sie bezweckt, zur physischen Notwendigkeit erheben, so daß in all deinem Tun selbst das noch so heterogen Scheinende [ein] Mittel zur Erreichung desselben Hauptzweckes wird.
  5. Aber Reichtum und Vielseitigkeit in Reiz und Spielraum verursachen, daß die Resultate der physischen Notwendigkeit das Gepräge der Freiheit und Selbständigkeit allgemein an sich tragen. Laß auch du die Resultate der Kunst und des Unterrichts, wenn sie schon zur physischen Notwendigkeit erhoben, durch Reichtum und Vielseitigkeit in Reiz und Spielraum das Gepräge der Freiheit und Selbständigkeit an sich tragen.

Alle diese Gesetze, denen die Entwicklung der Menschennatur unterworfen ist, wirbeln sich in ihrer ganzen Ausdehnung um einen Mittelpunkt, sie wirbeln sich um den Mittelpunkt unseres ganzen Seins, und dieser sind wir selber. Freund! Alles was ich bin, alles was ich will, und alles was ich soll, geht von mir selbst aus. Sollte nicht auch meine Erkenntnis von mir selbst ausgehen?


Ich habe Dir sie hingeworfen, diese einzelnen Sätze, aus denen, wie ich glaube, der Faden einer allgemeinen und psychologischen Unterrichtsmethode sich herausspinnen läßt. Sie befriedigen mich nicht, ich fühle es, ich bin nicht imstande, das Wesen der Naturgesetze, auf denen diese Sätze ruhen, mir in ihrer ganzen Einfachheit und in ihrer ganzen Umfassung aufzustellen. So viel sehe ich, sie haben sämtlich eine dreifache Quelle.

Die erste dieser Quellen ist die Natur selber, vermöge welcher sich unser Geist von dunklen Anschauungen zu deutlichen Begriffen emporschwingt. Aus dieser Quelle fließen folgende Grundsätze, die als Fundamente der Gesetze, deren Natur ich nachspüre, anerkannt werden müssen:

  1. Alle Dinge, die meine Sinne berühren, sind für mich nur insoweit Mittel, zu richtigen Einsichten zu gelangen, als ihre Erscheinungen mir ihr unwandelbares, unveränderliches Wesen vorzüglich vor ihrem wandelbaren Wechselzustand oder ihrer Beschaffenheit in die Sinne fallen macht. Sie sind umgekehrt für mich insoweit Quellen des Irrtums und der Täuschung, als ihre Erscheinungen mir ihre zufälligen Beschaffenheiten vorzüglich vor ihrem Wesen in die Sinne fallen machen.
  2. An eine jede, dem menschlichen Geist tief eingeprägte und unvergeßlich gemachte Anschauung reihen sich mit großer Leichtigkeit und soviel als unwillkürlich ein ganzes Gefolge dieser Anschauung mehr oder weniger verwandter Nebenbegriffe.
  3. So wie nun das Wesen einer Sache mit unverhältnismäßig stärkerer Kraft in deinem Geist eingeprägt ist als ihre Beschaffenheiten, so führt dich der Mechanismus deiner Natur durch sich selber in Rücksicht auf diesen Gegenstand täglich von Wahrheit zu Wahrheit. So wie hingegen die wandelbare Beschaffenheit einer Sache unverhältnismäßig stärker als ihr Wesen in deinem Geist eingeprägt ist, führt dich dieser Mechanismus deiner Natur über diesen Gegenstand täglich von Irrtum zu Irrtum.
  4. Durch das Zusammenstellen von Gegenständen, deren Wesen das nämliche ist, wird deine Einsicht über die innere Wahrheit derselben wesentlich und allgemein erweitert, geschärft und gesichert, der einseitige, überwiegende Eindruck von Beschaffenheiten einzelner Gegenstände, zum Vorteil des Eindrucks, den ihr Wesen auf dich machen soll, geschwächt, das Verschlingen deines Geistes durch die isolierte Kraft einzelner Beschaffenheitseindrücke verhütet und [wirst] du vor der Gefahr bewahrt, in eine gedankenlose Vermischung der Außenseite der Gegenstände mit ihrem Wesen und dadurch in eine übertriebene Anhänglichkeit und Vorliebe für irgendeine Sache, die dir eine bessere Einsicht als Nebensache unterordnet, und in die fantastische Kopffüllung mit solchen Nebensachen zu fallen. Es kann nicht anders sein, je mehr sich der Mensch umfassende und allgemeine Ansichten der Dinge eigen gemacht hat, je weniger können beschränkte und einzelne Ansichten derselben einen für ihre einzige wesentliche Ansicht nachteiligen Eindruck auf ihn machen. Je weniger er hingegen in einer umfassenden Anschauung der Natur geübt ist, je leichter können einzelne Ansichten von einem wandelbaren Zustand einer Sache die wesentliche Ansicht eines Gegenstandes in ihm verwirren und sogar auslöschen.
  5. Auch die verwickeltste Anschauung besteht aus einfachen Grundteilen. Wenn du diese in der Hand hast, so wird dir das Verwickeltste einfach.
  6. Durch je mehr Sinne du das Wesen oder die Erscheinungen einer Sache erforschst, je richtiger wird deine Erkenntnis über dieselbe.

Das scheinen mir die Grundsätze des physischen Mechanismus, die sich aus der Natur unseres Geistes selber herleiten. An sie schließen sich die allgemeinen Gesetze dieses Mechanismus selber, davon ich jetzt nur noch dieses berühre: Vollendung ist das größte Gesetz der Natur; alles Unvollendete ist nicht wahr.

Die zweite Quelle dieser physisch-mechanischen Gesetze ist die mit diesem Anschauungsvermögen allgemein verwobene Sinnlichkeit meiner Natur. Diese schwankt in all ihrem Tun zwischen der Neigung, alles zu kennen und alles zu wissen, und derjenigen, alles zu genießen, die den Drang des Wissens und der Erkenntnis stille stellt, einher. Als bloße physische Kraft wird die Trägheit meines Geschlechts durch seine Nasenweisheit belebt, und seine Nasenweisheit hinwieder durch seine Trägheit stille gestellt. Aber weder das Beleben des einen noch das Stillstehen des anderen hat an sich selbst mehr als physischen Wert. Hingegen als sinnliches Fundament meiner Forschungskraft hat das erste und als sinnliches Fundament der Kaltblütigkeit im Urteilen hat das zweite einen höheren Wert. Wir gelangen durch den unermeßlichen Reiz, den der Baum der Erkenntnis für unsere sinnliche Natur hat, zu all unserem Wissen, und durch das Trägheitsprinzipium, das unserem leichten, oberflächlichen Herumfliegen von Anschauung zu Anschauung ein Ziel setzt, reift der Mensch vielseitig zur Wahrheit, ehe er sie ausspricht.

Aber unsere Wahrheitsamphibien wissen nichts von diesem Reifen. Sie quaken die Wahrheit, ehe sie sie ahnen, geschweige, ehe sie sie kennen, sie können nichts anderes. Es fehlt ihnen sowohl an der Kraft der Vierfüßigen, auf festem Boden zu stehen, als an den Flossen der Fische, über Abgründe zu schwimmen, und an den Flügeln der Vögel, sich gegen die Wolken zu erheben. Sie kennen das willenlose Anschauen der Gegenstände so wenig als Eva, und haben daher bei ihrem unreifen Wahrheitsverschlingen mit ihr das nämliche Schicksal.

Die dritte Quelle dieser physisch-mechanischen Gesetze liegt in dem Verhältnis meiner äußeren Lage mit meinem Erkenntnisvermögen. Der Mensch ist an sein Nest gebunden, und wenn er es an hundert Fäden hängt und mit hundert Kreisen umschreibt, was tut er mehr als die Spinne, die ihr Nest auch an hundert Fäden hängt und mit hundert Kreisen umschreibt? Und was ist der Unterschied von einer etwas größeren und einer etwas kleineren Spinne? Das Wesen von ihrem Tun ist: Sie sitzen alle im Mittelpunkte des Kreises, den sie umschreiben; aber der Mensch wählt den Mittelpunkt, in dem er wallt und webt, nicht einmal selbst, und er erkennt als bloßes physisches Wesen alle Wahrheit der Welt gänzlich nur nach dem Maße, als die Gegenstände der Welt, die ihm zur Anschauung kommen, sich dem Mittelpunkte nähern, in dem er wallt und webt.


Freund! Du siehst doch wenigstens die Mühe, die ich mir gebe, die Theorie meines Ganges klarzumachen. Laß mir diese Mühe zu einer Art von Entschuldigung gelten, wenn du fühlst, wie wenig es mir gelungen. Ich bin für das eigentliche Philosophieren im wahren Sinn des Wortes schon seit meinen zwanziger Jahren zugrunde gerichtet. Zum Glück brauchte ich zur praktischen Ausübung meines Planes keine Art von derjenigen Philosophie, die mir so mühselig vorkommt. Ich lebte auf jedem Punkt, auf dem ich stand, bis zur höchsten Spannung meiner Nerven im Kreis, in dem ich wirkte; wußte, was ich wollte; sorgte nicht für den morgenden Tag, aber fühlte mit jedem Augenblick, was der gegenwärtige bedurfte. Und wenn meine Einbildungskraft mich heute um hundert Schritte weiter trieb, als ich festen Boden fand, so ging ich morgen diese hundert Schritte wieder zurück. Das begegnete mir tausend und tausendmal; tausend und tausendmal glaubte ich mich meinem Ziel näher, fand dann wieder plötzlich, daß dieses vermeinte Ziel nur ein neuer Berg ist, an den ich stoße. So ging es mir, besonders da mir die Grundsätze und Gesetze des physischen Mechanismus anfingen klarer zu werden; ich meinte jetzt sogleich, es fordere nun nichts mehr, als dieselbe einfach auf die Unterrichtsfächer, welche die Erfahrung von Jahrtausenden dem Menschengeschlecht zur Entwicklung seiner Anlagen an die Hand gegeben und die ich als die Elemente aller Kunst und allen Wissens ansah, auf Schreiben, Lesen, Rechnen usw. anzuwenden.

Aber so wie ich dieses versuchte, entwickelte sich allmählich eine durch sich immer mehrende Erfahrung begründete Überzeugung, daß diese Unterrichtsfächer gar nicht als die Elemente der Kunst und des Unterrichts können angesehen werden, daß sie im Gegenteil weit allgemeineren Ansichten des Gegenstandes untergeordnet werden müssen. Aber das Gefühl dieser für den Unterricht so wichtigen Wahrheit, die sich durch Bearbeitung dieser Fächer in mir entwickelte, erschien mir lange nur in isolierten Gesichtspunkten und immer nur in Verbindung mit dem einzelnen Fach, mit dem jede einzelne Erfahrung zusammenhing.

So fand ich im Lesenlehren die Notwendigkeit seiner Unterordnung unter das Redenkönnen und in den Anstrengungen für die Mittel, die Kinder reden zu lehren, den Grundsatz, diese Kunst an die Reihenfolgen zu ketten, mit der die Natur vom Schall zum Wort und von diesem nur allmählich zur Sprache emporschreitet.

So fand ich hinwieder in den Bemühungen, schreiben zu lehren, das Bedürfnis der Unterordnung dieser Kunst unter das Zeichnen und in den Bemühungen, Zeichnen zu lehren, die Ankettung und Unterordnung dieser Kunst unter diejenigen des Messens. Sogar das Buchstabierenlehren entwickelte in mir das Bedürfnis von dem Buch für die erste Kindheit, durch welches ich mir die Realkenntnis drei- und vierjähriger Kinder weit über die Kenntnis von sieben- und achtjährigen Schulkindern zu erheben getraue. Aber diese Erfahrungen, die mich freilich praktisch zu bestimmten einzelnen Hilfsmitteln des Unterrichts hinführten, ließen mich doch fühlen, daß ich meinen Gegenstand noch nicht in seiner ganzen Umfassung kenne.

Ich suchte lange einen allgemeinen psychologischen Ursprung all dieser Kunstmittel des Unterrichts, indem ich überzeugt war, daß es nur dadurch möglich sei, die Form aufzufinden, worin die Ausbildung der Menschheit durch das Wesen der Natur selbst bestimmt wird. Offenbar war: Diese Form ist in der allgemeinen Einrichtung unseres Geistes begründet, vermöge welcher unser Verstand die Eindrücke, welche die Sinnlichkeit von der Natur empfängt, in seiner Vorstellung zur Einheit, das heißt zu einem Begriff auffaßt und diesen Begriff dann allmählich zur Deutlichkeit entwickelt.

Jede Linie, jedes Maß, jedes Wort, sagte ich zu mir selbst, ist ein Resultat des Verstandes, das von gereiften Anschauungen erzeugt wird und als Mittel zur progressiven Verdeutlichung unserer Begriffe muß angesehen werden. Auch ist aller Unterricht in seinem Wesen nichts anderes als dieses. Seine Grundsätze müssen deshalb von der unwandelbaren Urform der menschlichen Geistesentwicklung abstrahiert werden. Es kommt daher alles auf die genaueste Kenntnis dieser Urform an. Ich faßte deswegen die Anfangspunkte, aus denen diese abstrahiert werden muß, immer und immer wieder von neuem ins Auge.

Die Welt, sagte ich in diesen träumenden Selbstgesprächen zu mir selber, liegt uns als ein ineinanderfließendes Meer verwirrter Anschauungen vor Augen. Die Sache des Unterrichts und der Kunst ist es, wenn durch sie unsere an der Hand der bloßen Natur für uns nicht rasch genug fortrückende Ausbildung wahrhaft und ohne Nachteil für uns vergeschwindert werden soll, daß sie die Verwirrung, die in dieser Anschauung liegt, aufhebe, die Gegenstände unter sich sondere, die ähnlichen und zusammengehörigen in ihrer Vorstellung wieder vereinige, sie alle uns dadurch klar mache und nach vollendeter Klarheit derselben in uns zu deutlichen Begriffen erhebe. Und dieses tut sie, indem sie uns die ineinanderfließenden verwirrten Anschauungen einzeln vergegenwärtigt, dann uns diese vereinzelten Anschauungen in verschiedenen wandelbaren Zuständen vor Augen stellt und endlich dieselben mit dem ganzen Kreis unseres übrigen Wissens in Verbindung bringt.

Also geht unsere Erkenntnis von Verwirrung zur Bestimmtheit, von Bestimmtheit zur Klarheit und von Klarheit zur Deutlichkeit hinüber.

Aber die Natur hält sich in ihrem Fortschritt zu dieser Entwicklung beständig an das große Gesetz, das die Klarheit meiner Erkenntnis von der Nähe oder Ferne der Gegenstände, die meine Sinne berühren, abhängig macht. Alles, was dich immer umgibt, kommt deinen Sinnen ceteris paribus [] in dem Grad verwirrt vor und ist dir in dem Grad schwer, dir selbst klar und deutlich zu machen, als es von deinen Sinnen entfernt ist. Im Gegenteil, alles kommt dir in dem Grad bestimmt vor und ist in dem Grad leicht, klar und dir deutlich zu machen, als es deinen fünf Sinnen naheliegt.

Du bist als physisch-lebendiges Wesen selbst nichts anderes, als deine fünf Sinne. Folglich muß die Klarheit oder Dunkelheit deiner Begriffe absolut und wesentlich von der Nähe oder Ferne herrühren, nach welchen alle äußeren Gegenstände diese fünf Sinne, das heisst dich selber oder den Mittelpunkt, in dem sich deine Vorstellungen in dir selbst vereinigen, berühren.

Dieser Mittelpunkt aller deiner Anschauungen, du selbst, bist dir selbst ein Vorwurf deiner Anschauung. Alles was du selbst bist, ist dir leichter, klar und deutlich zu machen, als alles, was außer dir ist. Alles, was du von dir selbst fühlst, ist an sich selbst eine bestimmte Anschauung. Nur was außer dir ist, kann eine verwirrte Anschauung für dich sein. Folglich ist der Gang deiner Erkenntnisse, sofern er dich selber berührt, eine Stufe kürzer, als insofern er von irgend etwas außer dir ausgeht. Alles, was du dir von dir selbst bewußt bist, dessen bist du dir bestimmt bewußt. Alles, was du selbst kennst, das ist in dir selbst und an sich durch dich selbst bestimmt. Folglich öffnet sich der Weg zu deutlichen Begriffen auf dieser Bahn leichter und sicherer als auf irgendeiner anderen, und unter allem, was klar ist, kann jetzt klarer nichts sein als die Klarheit des Grundsatzes: Die Kenntnis der Wahrheit geht bei dem Menschen von der Kenntnis seiner selbst aus.

Freund! so wirbelten sich die lebendigen aber dunklen Ideen von den Elementen des Unterrichts lange in meiner Seele, und so schilderte ich sie in meinem Berichte, ohne daß ich auch damals noch einen lückenlosen Zusammenhang zwischen ihnen und den Gesetzen des physischen Mechanismus entdecken konnte und ohne daß ich imstande war, die Anfangspunkte mit Sicherheit zu bestimmen, von denen die Reihenfolgen unserer Kunstansichten oder vielmehr die Form ausgehen sollte, in welcher es möglich wäre, die Ausbildung der Menschheit durch das Wesen ihrer Natur selber zu bestimmen, bis endlich, und das noch vor kurzem, wie ein Deus ex machina der Gedanke, daß alle unsere Erkenntnis von Zahl, Form und Wort ausgehe, mir plötzlich über [das], was ich suchte, ein neues Licht zu geben schien.

Ich warf einmal im langen Streben nach meinem Ziel oder vielmehr im schweifenden Herumträumen über diesen Gegenstand mein Augenmerk ganz einfach auf die Art und Weise, wie sich ein gebildeter Mensch in jedem einzelnen Fall benimmt und benehmen muß, wenn er irgendeinen Gegenstand, der ihm verwirrt und dunkel vor Augen gebracht wird, gehörig auseinandersetzen und sich allmählich klarmachen will.

Er wird in diesem Fall allemal sein Augenmerk auf folgende drei Gesichtspunkte werfen und werfen müssen:

  1. Wieviel und wie vielerlei Gegenstände vor seinen Augen schweben
  2. wie sie aussehen, was ihre Form und ihr Umriß sei
  3. wie sie heißen, wie er sich einem jeden durch einen Laut, durch ein Wort vergegenwärtigen könne.

Der Erfolg dieses Tuns aber setzt bei einem solchen Mann offenbar folgende gebildete Kräfte voraus:

  1. Die Kraft, ungleiche Gegenstände der Form nach ins Auge zu fassen, und sich ihren Inhalt zu vergegenwärtigen.
  2. Diejenige, diese Gegenstände der Zahl nach zu sondern und sich als Einheit oder als Vielheit bestimmt zu vergegenwärtigen.
  3. Diejenige, um sich die Vergegenwärtigung eines Gegenstandes nach Zahl und Form durch die Sprache zu verdoppeln und unvergeßlich zu machen.

Ich urteilte also: Zahl, Form und Sprache sind gemeinsam die Elementarmittel des Unterrichts, indem sich die ganze Summe aller äußeren Eigenschaften eines Gegenstandes im Kreis seines Umrisses und im Verhältnis seiner Zahl vereinigen und durch Sprache meinem Bewußtsein eigen gemacht werden. Die Kunst muß es also zum unwandelbaren Gesetz ihrer Bildung machen, von diesem dreifachen Fundament auszugehen und dahin zu wirken:

  1. Die Kinder zu lehren, jeden Gegenstand, der ihnen zum Bewußtsein gebracht ist, als Einheit, das heißt von denen gesondert, mit denen er verbunden scheint, ins Auge zu fassen.
  2. Sie die Form eines jeden Gegenstandes, das heißt sein Maß und sein Verhältnis kennen zu lehren.
  3. Sie so früh als möglich mit dem ganzen Umfang der Worte und Namen aller von ihnen erkannten Gegenstände bekannt zu machen.

Und so wie der Kinderunterricht von diesen drei Elementarpunkten ausgehen soll, so ist hinwieder offenbar, daß die ersten Bemühungen der Kunst dahin gerichtet sein müssen, diesen drei Anfangspunkten des Unterrichts die möglichste Einfachheit, Umfassung und Übereinstimmung zu geben.

Die einzige Schwierigkeit, die mir bei der Anerkennung dieser drei Elementarpunkte noch auffiel, war die Frage: Warum sind alle Beschaffenheiten der Dinge, welche uns durch die fünf Sinne bekannt werden, nicht ebenso Elementarpunkte unserer Erkenntnis wie Zahl, Form und Namen? Aber ich fand bald: Alle möglichen Gegenstände haben unbedingt Zahl, Form und Namen, die übrigen Eigenschaften aber, die durch die fünf Sinne erkannt werden, besitzt kein Gegenstand so mit allen anderen gemein, sondern nur mit dem einen diese, mit dem anderen jene; wozu noch das kommt, daß diese Eigenschaft uns gleich beim ersten Anblick so in die Augen fällt, daß wir verschiedene Gegenstände danach unterscheiden können. Ich fand also zwischen Zahl, Form und Namen aller Dinge und ihren übrigen Beschaffenheiten einen wesentlichen und bestimmt den Unterschied, daß ich keine anderen Beschaffenheiten der Dinge als Elementarpunkte der menschlichen Erkenntnis ansehen konnte. Hingegen fand ich ebenso bald bestimmt, daß alle übrigen Beschaffenheiten der Dinge, die durch unsere fünf Sinne erkannt werden, sich unmittelbar an diese Elementarpunkte der menschlichen Erkenntnisse anschließen lassen, daß folglich beim Unterricht der Kinder die Kenntnis aller übrigen Qualitäten der Gegenstände an die Vorkenntnis von Form, Zahl und Namen unmittelbar angekettet werden müsse. Ich sah jetzt, durch das Bewußtsein von der Einheit, Form und Namen eines Gegenstandes wird meine Erkenntnis von ihm eine bestimmte Erkenntnis; durch allmähliche Erkenntnis all seiner übrigen Eigenschaften wird sie in mir eine klare Erkenntnis; durch das Bewußtsein des Zusammenhangs all seiner Kennzeichen, wird sie eine deutliche Erkenntnis.

Und nun ging ich weiter, und fand, daß unsere ganze Erkenntnis aus drei Elementarkräften entquillt:

  1. Aus der Schallkraft, aus der die Sprachfähigkeit entspringt,
  2. aus der unbestimmten bloß sinnlichen Vorstellungskraft, aus welcher das Bewußtsein aller Formen entspringt,
  3. aus der bestimmten, nicht mehr bloß sinnlichen Vorstellungskraft, aus welcher das Bewußtsein der Einheit und mit ihr die Zählungs- und Rechnungsfähigkeit hergeleitet werden muß.

Ich urteilte also, die Kunstbildung unseres Geschlechts müsse an die ersten und einfachsten Resultate dieser drei Grundkräfte, an Schall, Form und Zahl angekettet werden und der Unterricht über einzelne Teile könne und werde niemals zu einem unsere Natur in ihrem ganzen Umfange befriedigenden Erfolg hinlenken, wenn diese drei einfachen Resultate unserer Grundkräfte nicht als die gemeinsamen, von der Natur selbst anerkannten Anfangspunkte allen Unterrichts anerkannt und im Gefolge dieser Anerkennung in Formen eingelenkt werde, die allgemein und harmonisch von diesen ersten Resultaten dieser drei Elementarkräfte unserer Natur ausgehen und wesentlich und sicher dahin wirken, den Fortschritt des Unterrichts bis zu seiner Vollendung in die Schranken einer lückenlosen, diese Elementarkräfte gemeinsam und im Gleichgewicht beschäftigenden Progression zu lenken, als wodurch es wesentlich und allein möglich gemacht wird, uns in allen diesen drei Fächern gleichförmig von dunklen Anschauungen zu bestimmten, von bestimmten Anschauungen zu klaren Vorstellungen, und von klaren Vorstellungen zu deutlichen Begriffen zu führen.

Dadurch finde ich denn endlich die Kunst mit der Natur oder vielmehr mit der Urform, womit uns diese die Gegenstände der Welt allgemein verdeutlicht, wesentlich und innigst vereinigt und hiermit das Problem, einen allgemeinen Ursprung aller Kunstmittel des Unterrichtes und mit ihm die Form aufzufinden, in welcher die Ausbildung unseres Geschlechtes durch das Wesen unserer Natur selber bestimmt werden könnte, aufgelöst und die Schwierigkeiten gehoben, die mechanischen Gesetze, die ich für die Fundamente des menschlichen Unterrichts anerkenne, auf die Unterrichtsform, welche die Erfahrung von Jahrtausenden dem Menschengeschlecht zur Entwicklung seiner selbst an die Hand gegeben, auf Schreiben, Rechnen, Lesen usw. anzuwenden.


[...]

Freund! Es hätte mich, wie gesagt, für jetzt zu weit geführt, in das Umständliche der Grundsätze und Maßregeln einzutreten, auf denen die Bildung zu den wesentlichsten Fertigkeiten des Lebens beruht. Hingegen will ich meine Briefe doch nicht enden, ohne den Schlußstein meines ganzen Systems, ich meine nämlich die Frage zu berühren: Wie hängt das Wesen der Gottesverehrung mit den Grundsätzen zusammen, die ich in Rücksicht auf die Entwicklung des Menschengeschlechtes im allgemeinen für wahr angenommen habe?

Ich suche auch hier den Aufschluß meiner Aufgabe in mir selbst und frage mich: Wie entkeimt der Begriff von Gott in meiner Seele? Wie kommt es, daß ich an einen Gott glaube, daß ich mich in seine Arme werfe und mich selig fühle, wenn ich ihn liebe, wenn ich ihm vertraue, wenn ich ihm danke, wenn ich ihm folge?

Das sehe ich bald: Die Gefühle der Liebe, des Vertrauens, des Dankes und die Fertigkeiten des Gehorsams müssen in mir entwickelt sein, ehe ich sie auf Gott anwenden kann. Ich muß Menschen lieben, ich muß Menschen trauen, ich muß Menschen danken, ich muß Menschen gehorsamen, ehe ich mich dahin erheben kann, Gott zu lieben, Gott zu danken, Gott zu vertrauen und Gott zu gehorsamen, "denn wer seinen Bruder nicht liebt, den er sieht, wie will der seinen Vater im Himmel lieben, den er nicht sieht?" []

Ich frage mich also: Wie komme ich dahin, Menschen zu lieben, Menschen zu trauen, Menschen zu danken, Menschen zu gehorsamen? Wie kommen die Gefühle, auf denen Menschenliebe, Menschendank und Menschenvertrauen wesentlich ruhen, und die Fertigkeiten, durch welche sich der menschliche Gehorsam bildet, in meine Natur? - und ich finde, daß sie hauptsächlich von dem Verhältnis ausgehen, das zwischen dem unmündigen Kind und seiner Mutter statthat.

Die Mutter muß, sie kann nicht anders, sie wird von der Kraft eines ganz sinnlichen Instinktes dazu genötigt, das Kind pflegen, nähren, es sicherstellen und es erfreuen. Sie tut es, sie befriedigt seine Bedürfnisse, sie entfernt von ihm, was ihm unangenehm ist, sie kommt seiner Unbehilflichkeit zu Hilfe - das Kind ist versorgt, es ist erfreut, der Keim der Liebe ist in ihm entfaltet.

Jetzt steht ein Gegenstand, den es noch nie sah, vor seinen Augen; es staunt, es fürchtet, es weint; die Mutter drückt es fester an ihre Brust, sie tändelt mit ihm, sie zerstreut es, sein Weinen nimmt ab, aber seine Augen bleiben gleichwohl noch lange naß; der Gegenstand erscheint wieder, die Mutter nimmt es wieder in den schützenden Arm und lacht ihm wieder; jetzt weint es nicht mehr, es erwidert das Lächeln der Mutter mit heiterem unumwölktem Auge - der Keim des Vertrauens ist in ihm entfaltet.

Die Mutter eilt bei jedem Bedürfnis zu seiner Wiege; sie ist in der Stunde des Hungers da, sie hat es in der Stunde des Durstes getränkt; wenn es ihren Fußtritt hörte, so schwieg es; wenn es sie sieht, so streckt es die Hand aus; sein Auge strahlt an ihrer Brust, es ist gesättigt, Mutter und satt werden ist ihm ein und eben derselbe Gedanke - es dankt.

Die Keime der Liebe, des Vertrauens, des Dankes erweitern sich bald. Das Kind kennt den Fußtritt der Mutter, es lächelt ihrem Schatten; wer ihr gleich sieht, den liebt es; ein Geschöpf, das der Mutter gleich sieht, ist ihm ein gutes Geschöpf. Es lächelt der Gestalt seiner Mutter, es lächelt der Menschengestalt; wer der Mutter lieb ist, der ist ihm auch lieb; wer der Mutter in die Arme fällt, dem fällt es auch in die Arme; wen die Mutter küßt, den küßt es auch. Der Keim der Menschenliebe, der Keim der Bruderliebe ist in ihm entfaltet.

Der Gehorsam ist in seinem Ursprung eine Fertigkeit, deren Triebräder den ersten Neigungen der sinnlichen Natur entgegenstehen. Seine Bildung ruht auf Kunst, er ist nicht eine einfache Folge der Naturtriebe, aber dennoch nimmt seine Entfaltung den nämlichen Gang. So wie der Liebe Bedürfnis, dem Danke Gewährung, dem Vertrauen Besorgnis vorhergeht, so geht auch dem Gehorsam eine stürmische Begierde vorher. Das Kind schreit, ehe es wartet, es ist ungeduldig, ehe es gehorcht; die Geduld entfaltet sich vor dem Gehorsam, es wird eigentlich nur durch die Geduld gehorsam; die ersten Fertigkeiten dieser Tugend sind bloß leidend, sie entspringen hauptsächlich durch das Gefühl der harten Notwendigkeit. Aber auch dieses entwickelt sich zuerst auf dem Schoß der Mutter; das Kind muß warten, bis sie ihm die Brust öffnet, es muß warten bis sie es aufnimmt. Viel später entwickelt sich in ihm der tätige Gehorsam, und noch viel später das wirkliche Bewußtsein, daß es ihm gut sei, der Mutter zu gehorchen.

Die Entwicklung des Menschengeschlechts geht von einer starken gewaltsamen Begierde nach Befriedigung sinnlicher Bedürfnisse aus. Die Mutterbrust stillt den ersten Sturm sinnlicher Begierden und erzeugt Liebe, bald darauf entfaltet sich Furcht; der Mutterarm stillt die Furcht; diese Handlungsweise erzeugt die Vereinigung der Gefühle der Liebe und des Vertrauens und entfaltet die ersten Keime des Dankes.

Die Natur zeigt sich unbeugsam gegen das stürmende Kind - es schlägt auf Holz und Steine, die Natur bleibt unbeugsam, und das Kind schlägt nicht mehr auf Holz und Steine. Jetzt ist die Mutter unbeugsam gegen die Unordnungen seiner Begierden; es tobt und schreit; sie ist forthin unbeugsam - es schreit nicht mehr, es gewöhnt sich, seinen Willen dem ihrigen zu unterwerfen - die ersten Keime der Geduld, die ersten Keime des Gehorsams sind entfaltet.

Gehorsam und Liebe, Dank und Vertrauen vereinigt, entfalten den ersten Keim des Gewissens, den ersten leichten Schatten des Gefühls, daß es nicht recht sei, gegen die liebende Mutter zu toben, den ersten leichten Schatten des Gefühls, daß die Mutter nicht allein um seinetwillen in der Welt sei, den ersten Schatten des Gefühls, daß nicht alles um seinetwillen in der Welt sei. Und mit ihm entkeimt noch das zweite Gefühl, daß auch es selbst nicht um seinetwillen allein in der Welt sei, der erste Schatten der Pflicht und des Rechts ist an seinem Entkeimen.

Dieses sind die ersten Grundzüge der Selbstentwicklung, welche das Naturverhältnis zwischen dem Säugling und seiner Mutter entfaltet. In ihnen liegt aber auch ganz und in seinem ganzen Umfang das Wesen des sinnlichen Keims von derjenigen Gemütsstimmung, welche der menschlichen Anhänglichkeit an den Urheber unserer Natur eigen ist. Das heißt: Der Keim aller Gefühle der Anhänglichkeit an Gott durch den Glauben ist in seinem Wesen der nämliche Keim, welcher die Anhänglichkeit des Unmündigen an seine Mutter erzeugte. Auch ist die Art, wie sich diese Gefühle entfalten, auf beiden Wegen ein und dieselbe.

Auf beiden Wegen hört das unmündige Kind, glaubt und folgt, aber es weiß in diesem Zeitpunkt in beiden Rücksichten nicht, was es glaubt und was es tut. Indessen fangen die ersten Gründe seines Glaubens und seines Tuns in diesem Zeitpunkt bald an zu schwinden. Die entkeimende Selbstkraft macht jetzt das Kind die Hand der Mutter verlassen, es fängt an sich selbst zu fühlen, und es entfaltet sich in seiner Brust ein stilles Ahnen: Ich bedarf der Mutter nicht mehr. Diese liest den keimenden Gedanken in seinen Augen, sie drückt ihr Geliebtes fester als je an ihr Herz und sagt ihm mit einer Stimme, die es noch nie hörte: Kind! es ist ein Gott, dessen du bedarfst, wenn du meiner nicht mehr bedarfst, es ist ein Gott, der dich in seine Arme nimmt, wenn ich dich nicht mehr zu schützen vermag; es ist ein Gott, der dir Glück und Freuden bereitet, wenn ich dir nicht mehr Glück und Freuden zu bereiten vermag. Dann wallt im Busen des Kindes ein unaussprechliches Etwas, es wallt im Busen des Kindes ein heiliges Wesen, es wallt im Busen des Kindes eine Glaubensneigung, die es über sich selbst erhebt; es freut sich des Namens seines Gottes, sobald die Mutter ihn spricht. Die Gefühle der Liebe, des Dankes, des Vertrauens, die sich an ihrer Brust entfalten hatten, erweitern sich und umfassen von nun an Gott wie den Vater, Gott wie die Mutter. Die Fertigkeiten des Gehorsams erhalten einen weiteren Spielraum: Das Kind, das von nun an an das Auge Gottes glaubt wie an das Auge der Mutter, tut jetzt um Gottes willen recht, wie es bisher um der Mutter willen recht tat.

Hier bei diesem ersten Versuch der Mutterunschuld und des Mutterherzens, das erste Fühlen der Selbstkraft durch die Neigung des Glaubens an Gott mit den eben entwickelten Gefühlen der Sittlichkeit zu vereinigen, öffnen sich die Fundamentalgesichtspunkte, auf welche Unterricht und Erziehung wesentlich ihr Auge hinwerfen müssen, wenn sie unsere Veredelung mit Sicherheit erzielen wollen.

Gleichwie das erste Entkeimen der Liebe, des Dankes, des Vertrauens und des Gehorsams eine bloße Folge des Zusammentreffens instinktartiger Gefühle zwischen Mutter und Kind war, so ist jetzt das weitere Entfalten dieser entkeimten Gefühle eine hohe menschliche Kunst, aber eine Kunst, deren Faden sich sogleich unter deinen Händen verliert, wenn du die Anfangspunkte, von denen ihr feines Gewebe ausgeht, auch nur einen Augenblick aus den Augen verlierst. Die Gefahr dieses Verlierens ist für dein Kind groß und kommt früh. Es lallt den Mutternamen, es liebt, es dankt, es traut, es folgt. Es lallt den Namen Gottes, es liebt, es dankt, es traut, es folgt. Aber die Beweggründe des Dankes, der Liebe, des Vertrauens schwinden beim ersten Entkeimen [des Gefühls], es bedarf der Mutter nicht mehr. Die Welt, die dasselbe jetzt umgibt, ruft ihm mit dem ganzen Sinnenreiz ihrer neuen Erscheinung zu: Du bist jetzt mein.

Das Kind hört die Stimme der neuen Erscheinung, es muß. Der Instinkt des Unmündigen ist in ihm erloschen, der Instinkt der wachsenden Kräfte nimmt seinen Platz ein, und der Keim der Sittlichkeit, insofern er von Gefühlen, die der Unmündigkeit eigen sind, ausgeht, verödet sich plötzlich, und er muß sich veröden, wenn in diesem Augenblick niemand das erste Schlagen der höheren Gefühle seiner sittlichen Natur wie den Faden des Lebens an die goldene Spindel der Schöpfung ankettet. Mutter, Mutter! die Welt beginnt jetzt dein Kind von deinem Herzen zu trennen, und wenn in diesem Augenblick niemand die Gefühle seiner edleren Natur ihm an die neue Erscheinung der Sinnenwelt ankettet, so ist es geschehen. Mutter! Mutter! dein Kind ist deinem Herzen entrissen; die neue Welt wird ihm Mutter, die neue Welt wird ihm Gott. Sinnengenuß wird ihm Gott. Eigengewalt wird ihm Gott.

Mutter! Mutter! Es hat dich, es hat Gott, es hat sich selbst verloren, der Docht der Liebe ist in ihm erloschen. Gott ist nicht mehr in ihm, der Keim der Selbstachtung ist in ihm erstorben. Es geht dem Verderben eines unbedingten Strebens nach Sinnengenuß entgegen.

Menschheit! Menschheit! hier beim Übergang der hinschwindenden Unmündigkeitsgefühle zum ersten Fühlen der von der Mutter unabhängenden Reize der Welt; - hier, wo der Boden, dem die edleren Gefühle unserer Natur entkeimen, das erstemal unter den Füßen des Kindes zu weichen anfängt; - hier, wo die Mutter beginnt, ihrem Kind das nicht mehr zu sein, was sie ihm vorher war, und dann im Gegenteil der Keim des Vertrauens auf die neu belebte Erscheinung der Welt sich in ihm entfaltet und der Reiz dieser neuen Erscheinung das Vertrauen auf die Mutter, die ihm nicht mehr ist, was sie ihm vorher war, und mit ihm das Vertrauen auf den ungesehenen und ungekannten Gott zu ersticken und zu verschlingen beginnt, wie das wilde Gewebe harter sich tief ineinander schlingender Wurzeln des Unkrauts das feinere Wurzelgewebe der edelsten Pflanzen erstickt und verschlingt; - Menschheit! Menschheit! hier in dem Zeitpunkt des Voneinander-Scheidens der Gefühle des Vertrauens auf Mutter und auf Gott und derjenigen des Vertrauens auf die neue Erscheinung der Welt und alles, was darinnen ist; - hier an diesem Scheidewege solltest du deine ganze Kunst und deine ganze Kraft anwenden, die Gefühle des Dankes, der Liebe, des Vertrauens und des Gehorsams in deinem Kind rein zu erhalten. Gott ist in diesen Gefühlen, und die ganze Kraft deines sittlichen Lebens hängt innig mit der Erhaltung derselben zusammen.

Menschheit! deine Kunst sollte alles tun, beim Stillstellen der physischen Ursachen, aus welchen diese Gefühle bei dem unmündigen Kind entkeimt sind, neue Belebungsmittel derselben zur Hand zu bringen und die Reize der neuen Erscheinung der Welt deinem wachsenden Kind nicht anders als in Verbindung mit diesen Gefühlen vor die Sinne kommen zu lassen.

Es ist hier, wo du es das erste Mal nicht der Natur anvertrauen, sondern alles tun mußt, die Leitung desselben ihrer Blindheit aus der Hand zu reißen und in die Hand von Maßregeln und Kräften zu legen, die die Erfahrung von Jahrtausenden angegeben hat. Die Welt, die dem Kind jetzt vor seinen Augen erscheint, ist nicht Gottes erste Schöpfung, es ist eine Welt, die - beides - für die Unschuld seines Sinnengenusses und für die Gefühle seiner inneren Natur gleich verdorben ist, eine Welt voll Krieg für die Mittel der Selbstsucht, voll Widersinnigkeit, voll Gewalt, voll Anmaßung, Lug und Trug. Nicht Gottes erste Schöpfung, sondern diese Welt lockt dein Kind zum Wellentanz des wirbelnden Schlundes, in dessen Abgründe Lieblosigkeit und sittlicher Tod hausen. Nicht Gottes Schöpfung, sondern der Zwang und die Kunst ihres eigenen Verderbens ist das, was diese Welt deinem Kind vor Augen stellt.

Armes Kind! dein Wohnzimmer ist deine Welt, aber dein Vater ist an seine Werkstatt gebunden, deine Mutter hat heute Verdruß, morgen Besuch, übermorgen ihre Launen. Du hast Langeweile, du fragst, deine Magd antwortet dir nicht. Du willst auf die Straße, du darfst nicht. Jetzt reißt du dich mit deiner Schwester um Spielzeug. Armes Kind! welch ein elendes, herzloses und herzverderbendes Ding ist deine Welt. Aber ist sie dir etwa mehr, wenn du im goldgezierten Wagen unter Schattenbäumen umherfährst. Deine Führerin betrügt deine Mutter, du leidest weniger, aber du wirst schlechter als die Leidenden alle. Was hast du gewonnen? Deine Welt ist dir noch mehr zur Last als den Leidenden allen.

Diese Welt ist in das Verderben ihrer unnatürlichen Kunst und ihres unnatürlichen Zwanges so eingewiegt, daß sie für die Mittel, Reinheit des Herzens in der Brust des Menschen zu erhalten, keinen Sinn mehr hat und im Gegenteil die Unschuld unseres Geschlechts in dem mißlichsten Augenblick - wie das herzloseste Nachweib ihr Stiefkind - einer Sorglosigkeit preisgibt, die in hundert Fällen gegen einen über das Scheitern der letzten Zwecke der menschlichen Veredelung entscheidet und entscheiden muß, weil die neue Erscheinung der Welt dem Kind in diesem Zeitpunkt ganz ohne ein Gegengewicht für das Einseitige und das einseitig Reizende ihrer sinnlichen Eindrücke vor die Augen gestellt wird und also ihre Vorstellung - beides - durch ihre Einseitigkeit und durch ihre Lebhaftigkeit bei demselben ein entscheidendes Übergewicht über den Eindruck der Erfahrungen und Gefühle, welche der geistigen und sittlichen Ausbildung unseres Geschlechts zugrundeliegen, erhält, wodurch denn auch die Bahn seiner Selbstsucht und seiner Entwürdigung von nun an einen unermeßlichen und unermeßlich belebten Spielraum erhält; hingegen die Gemütsstimmung, auf deren sinnlicher Anbahnung die vorzüglichsten Kräfte seiner Sittlichkeit Anmerkung und seiner Erleuchtung beruhen, sich ebenso verlieren, die an sich enge Pforte seiner Sittlichkeit [] gleichsam verrammelt werden, und die ganze Sinnlichkeit seiner Natur eine Richtung nehmen muß, die die Bahn der Vernunft von derjenigen der Liebe, die Ausbildung des Geistes von der Glaubensneigung an Gott trennt, eine mehr oder weniger feine Selbstsucht zum einzigen Triebrad seiner Kraftanwendung macht und dadurch über die Folgen seiner Ausbildung zu seinem eigenen Verderben entscheidet.

Es ist unbegreiflich, daß die Menschheit diese allgemeine Quelle ihres Verderbens nicht kennt; unbegreiflich, daß es nicht die allgemeine Angelegenheit ihrer Kunst ist, dieselbe zu stopfen und die Erziehung unseres Geschlechts Grundsätzen zu unterwerfen, die das Werk Gottes [], das die Gefühle der Liebe, des Dankes und des Vertrauens schon im Unmündigen entfaltet, nicht zerstören, sondern dahin wirken müßten, die von Gott selbst in unsere Natur gelegten Vereinigungsmittel unserer geistigen und sittlichen Veredelung in diesem beide gefährdenden Zeitpunkt vorzüglich zu pflegen und Unterricht und Erziehung allgemein, einerseits mit den Gesetzen des physischen Mechanismus, nach welchen sich unser Geist von dunklen Anschauungen zu deutlichen Begriffen erhebt, andererseits mit den Gefühlen meiner inneren Natur, durch deren allmähliche Entfaltung mein Geist sich zu Anerkennung und Verehrung des sittlichen Gesetzes emporhebt, in Übereinstimmung zu bringen. Es ist unbegreiflich, daß die Menschheit sich nicht dahin erhebt, eine lückenlose Stufenfolge aller Entwicklungsmittel meines Geistes und meiner Gefühle zu eröffnen, deren wesentlicher Zweck dieser sein müßte, die Vorteile des Unterrichtes und seines Mechanismus auf die Erhaltung der sittlichen Vollkommenheit zu bauen, die Selbstsucht der Vernunft durch die Erhaltung der Reinheit des Herzens vor den Verirrungen ihres einseitigen Verderbens zu bewahren und überall die sinnlichen Eindrücke meiner Überzeugung, meine Begierlichkeit meinem Wohlwollen und mein Wohlwollen meinem berichtigten Willen unterzuordnen.

Die Ursachen, die diese Unterordnung erheischen, liegen tief in meiner Natur. Sowie meine sinnlichen Kräfte sich ausbilden, so muß ihr Übergewicht, vermöge der wesentlichen Bedürfnisse meiner Veredelung, wieder verschwinden, das heißt, ihre Unterordnung unter ein höheres Gesetz muß eintreten. Aber ebenso muß auch jede Stufe meiner Entwicklung vollendet sein, ehe der Fall ihrer Unterordnung unter höhere Zwecke eintreten kann, und diese Unterordnung des Vollendeten unter das zu Vollendende fordert ebenso vor allem reine Festhaltung der Anfangspunkte aller Erkenntnisse und die bestimmteste Lückenlosigkeit im allmählichen Fortschritt von diesen Anfangspunkten zum letzten zu vollendenden Zweck. Das erste Gesetz dieser Lückenlosigkeit aber ist dieses: Der erste Unterricht des Kindes sei nie die Sache des Kopfes, er sei nie die Sache der Vernunft, er sei ewig die Sache der Sinne, er sei ewig die Sache des Herzens, die Sache der Mutter.

Das zweite Gesetz, das ihm folgt, ist dieses: Der menschliche Unterricht gehe nur langsam von der Übung der Sinne zur Übung des Urteils, er bleibe lange die Sache des Herzens, ehe er die Sache der Vernunft, er bleibe lange die Sache des Weibes, ehe er die Sache des Mannes zu werden beginnt.

Was soll ich mehr sagen? Mit diesen Worten führen mich die ewigen Gesetze der Natur selbst wieder an deine Hand, Mutter! Mutter! Ich [] kann meine Unschuld, meine Liebe, meinen Gehorsam, ich kann die Vorzüge meiner edleren Natur beim neuen Eindruck der Welt alle, alle nur an deiner Seite erhalten. Mutter! Mutter! hast du noch eine Hand, hast du noch ein Herz für mich, so laß mich nicht von dir weichen, und hat dich niemand die Welt kennen gelehrt, wie ich sie kennenlernen muß, so komm, wir wollen sie miteinander kennenlernen, wie du sie hättest kennen sollen und wie ich sie kennenlernen muß. Mutter! Mutter! wir wollen in dem Augenblick, in dem ich Gefahr laufe, durch die neue Erscheinung der Welt von dir, von Gott und von mir selbst abgezogen zu werden, nicht voneinander scheiden. Mutter! Mutter! heilige du mir den Übergang von deinem Herzen zu dieser Welt durch die Erhaltung deines Herzens! - Lieber Freund! ich muß schweigen, mein Herz ist gerührt und ich sehe Tränen in deinen Augen. Lebe wohl.