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Herr Dettling hatte auf dem Symposium die Moderation des mittleren Vortragsteils übernommen. In die Moderation band er die Ergebnisse seines Beitrags "Pestalozzis Lernverständnis und Bezüge zu aktuellen
lernpsychologischen Ansätzen" ein.

Pestalozzis Lernverständnis und Bezüge zu aktuellen lernpsychologischen Ansätzen

1. Einleitung

Im folgenden Beitrag wird aufzuzeigen versucht, welche Bezüge zwischen Pestalozzis Lernverständnis und aktuellen Ansätzen aus der Lernpsychologie herge-stellt werden können. Es versteht sich von selbst, dass die heute verwendeten Begrifflichkeiten wie beispielsweise „Konstruktivismus“ oder „Lebenslanges Lernen“ nicht unter dieser Bezeichnung bei Pestalozzi zu finden sind. Es geht nicht darum, auf der rein begrifflichen Ebene Entsprechungen zu finden, sondern beabsichtigt ist die Suche nach inhaltlichen Ähnlichkeiten, Parallelen und Überschneidungen.

In einem ersten Teil wird in Form von fünf Statements eine Annäherung an Pestalozzis Lernverständnis versucht. Die Statements sind in Anlehnung an Thesen zur Erziehungsidee Pestalozzis von Brühlmeier (1996) sowie einzelnen ausgewählten Textpassagen aus Pestalozzis Werken formuliert.

Ausgehend von einem konstruktivistischen Lernverständnis werden in einem zweiten Teil aktuelle lernpsychologische Aspekte im europäischen Raum skizziert. Die fünf Prozessmerkmale des Lernens nach Reinmann-Rothmeier und Mandl (2001) bilden den zentralen Ausgangspunkt zur weiterführenden Bezugnahme.

Im Anschluss werden Bezüge zwischen Pestalozzis Lernverständnis und aktuellen lernpsychologischen Sichtweisen zum Lernen hergestellt.

2. Annäherung an Pestalozzis Lernverständnis

Brühlmeier (1996) beschreibt achtzehn Thesen zur Erziehungsidee Pestalozzis, aus denen Pestalozzis Lernverständnis anschaulich hervorgeht. Er formuliert – Pestalozzis Werke übergreifend – Thesen zu dessen erzieherischer Grundhaltung. In Anlehnung an diese werden fünf Thesen zu Pestalozzis Lernverständnis formuliert, die jeweils mit einem kurzen Kommentar versehen sind.

  1. Statement: Lernen bedeutet Kräfte entfalten. Dank der "Strebkraft" – einem immanenten Entfaltungstrieb – drängen die Kräfte zur Entfaltung.
    Pestalozzi betonte immer wieder, dass das Kind selber tätig sein will. Seine Kräfte drängen zu ihrer Entwicklung. So schreibt er in seinem letzten Werk: [Schwanengesang (1826, PSW 28)] „Auch wird der Mensch durch die Natur jeder dieser Kräfte in sich selbst angetrieben, sie zu gebrauchen.“

  2. Statement: Die Kräfte und Anlagen müssen gleichwertig und harmonisch aufeinander bezogen entfaltet werden. Keine Kraft darf auf Kosten einer andern vernachlässigt werden.
    Pestalozzi unterscheidet drei Gruppen von Kräften:

    1. Sittlich-religiöse Kräfte, Gefühlskräfte (Herz). Dazu zählen der Glaube, die Liebe, die Werte, das Gewissen, das Handeln aus sozialer Verantwortung und das ästhetische Erleben.

    2. Intellektuelle, geistige Kräfte (Kopf). Dazu zählen das Denken, die Vorstellung, das Gedächtnis, die Wahrnehmen und das Urteilen.

    3. Physische, handwerkliche Kräfte (Hand). Dazu zählen die Muskelkraft, die körperliche Gewandtheit und spezifische Fertigkeiten.
      Wenn Kinder nicht lernen wollen, so zeigt dies entweder, dass die Lernstoffe oder die Art, wie etwas gelernt werden soll, der kindlichen Natur nicht entsprechen, oder es handelt sich um Kinder, die durch negative Umweltbedingungen verwahrlost sind.

  3. Statement: Die drei Grundkräfte entfalten sich nach je eigenen Gesetzmässigkeiten. Lernen findet je nach zu entfaltender Kraft auf unterschiedliche Weise statt.
    Die Grundlage der intellektuellen Bildung (Kopf) ist die "äussere Anschauung", d.h. das Erfahren der Realität mit möglichst allen Sinnen. Grundlage der sittlichen Bildung (Herz) ist die "innere Anschauung", d.h. das seelische Gewahrwerden sittlicher Lebensverhältnisse durch reale Teilhabe. Die handwerklichen Kräfte (Hand) entfalten sich - verbunden mit der geistigen Entwicklung - über einen Stufengang von der "Aufmerksamkeit auf Richtigkeit" über das „Üben“ bis zur „Freiheit“.

  4. Statement: Alle Kräfte entfalten sich nur durch deren Gebrauch. Lernen erfolgt durch die Selbsttätigkeit des Kindes. Der Mensch bildet sich nur "von Angesicht zu Angesicht, von Herz zu Herz menschlich“[An die Unschuld (1815, PSW 24 A)].
    Für das Lernen bedeutet dies, dass das Gemüt der Kinder angesprochen und ergriffen werden muss. Dies gelingt dann, wenn Kinder immer wieder staunen und auf positive und solide zwischenmenschliche Beziehungen zurückgreifen können.

  5. Statement: In jedem Bereich muss das Grundlegende, das Elementare, absolut gefestigt sein, bevor der jeweils schwierigere Schritt angegangen werden darf. Das Gesetz der Lückenlosigkeit erfordert Lernen in Musse.
    Lernen benötigt Zeit, Hingabe und die Bereitschaft, sich wirklich auf etwas ein-zulassen. Lückenlos meint nicht, dass möglichst alles durch die Menschheit bisher erworbene Wissen gelernt werden muss. Viel mehr geht es darum, das Wesen einer „Sache“ exemplarisch, schrittweise, organisch und detailliert durch genaues Hinschauen und intensive Auseinandersetzung zu erkennen. Dies ist ein immerwährender Prozess, der lebenslang andauert.

 

3. Aktuelle lernpsychologische Ansätze

Zahlreich sind die Modelle, welche Lernprozesse zu beschreiben versuchen.
Das Repertoire erstreckt sich von einem rein mechanistisch-technischen Lernverständnis bei den Behavioristen (Watson, Skinner) über das „trial an error“-Lernmodell (Thorndike) bis hin zum Beobachtungslernen (Bandura) und einem erkenntnistheoretisch begründeten Lernverständnis (wie z.B. bei Köhler).

Die inzwischen und aktuell wohl am meisten verbreiteten lernpsychologischen Modelle orientieren sich am Konstruktivismus.

Der Konstruktivismus postuliert in lernpsychologischer Hinsicht, dass menschliches Erleben und Lernen Konstruktionsprozessen unterworfen ist, die durch sinnesphysiologische, neuronale, kognitive und soziale Prozesse beeinflusst werden. Seine Kernthese besagt, dass Lernende im Lernprozess eine individuelle Repräsentation der Welt schaffen. Was jemand unter bestimmten Bedingungen lernt, hängt somit stark vom Lernenden und seinen Erfahrungen ab. Der lernpsychologische Konstruktivismus versucht kognitive Konstruktionsprozesse zu verstehen, um sie für Lernprozesse und die Gestaltung von Lernumgebungen nutzbar zu machen.

Der interaktionistische Konstruktivismus vertritt die Auffassung, dass lernende Handlungen aus einem Dreischritt bestehen. Mittels Rekonstruktion wird die Welt entdeckt. Durch das Konstruieren wird die Welt „erfunden“, d.h. erhält sie eine individuelle Prägung durch den Wahrnehmenden. Die kritische Auseinandersetzung mit der Welt wird als Dekonstruktion bezeichnet. Dabei wirkt der subjektive Eigenanteil der Lernenden mit der sozial-kulturellen Lernumgebung zusammen. Lernen ist dann effektiv, wenn die Lernenden ihren Lernprozess selbst steuern können.

Die Lerntheorie des interaktionistischen Konstruktivismus plädiert insbesondere für Lernformen, in denen die Lehrperson nicht bloss Wissensvermittler, sondern auch Lernprozessberatender ist. Die Lehrperson hält sich bei der Anwendung konstruktivistischer Methoden eher im Hintergrund. Sie schafft Lernangebote, stellt Wissensquellen bereit und beobachtet den Lernprozess. Schüler festigen "Kulturtechniken" in offenen Unterrichtssituationen, um diese anschliessend anwenden und abstrahieren zu können.

Seit Beginn des 21. Jahrhunderts findet der Konstruktivismus breiten Eingang in die Methodikdiskussion. Es erfolgte ein Umstellungsprozess weg von instruktionistischen hin zu konstruktivistischen Verfahren in allen Schultypen und Fächern.

Moderne konstruktivistische Methoden, die im Zuge der Schulreform besondere Aufmerksamkeit erfahren, sind z.B. Lernen durch Lehren und das kooperative Lernen. Bei diesen Methode wird die Lerngruppe zum neuronalen Netzwerk umgestaltet mit der Aufgabe, Wissen kollektiv zu konstruieren und zu entwickeln.

Eine weitere lernpsychologische Anwendung findet der Konstruktivismus im E-Learning (elektronisch unterstütztes Lernen am Computer). E-Learning-Systeme werden oftmals dazu verwendet, den Lernenden die Möglichkeit zu geben, in vielen verschiedenen Informationsquellen zu recherchieren sowie Aufgaben mit der Unterstützung diverser Werkzeuge zu lösen.

Reinmann-Rothmeier und Mandl (2001) haben fünf Prozessmerkmale des Lernens beschrieben, denen ein konstruktivistisches Lernverständnis zu Grunde liegt. Diese fassen die aktuellen lernpsychologischen Ansätze verdichtet zusammen. Lernen ist aus dieser Sicht ein aktiver, selbstgesteuerter, konstruktiver, situativer und sozialer Prozess:

  1. Lernprozessmerkmal: Lernen ist ein aktiver Prozess
    Effektives Lernen ist nur bei aktiver Beteiligung der Lernenden möglich. Dabei ist Voraussetzung, dass sie Motivation und ein situatives Interesse entwickeln.

  2. Lernprozessmerkmal: Lernen ist ein selbstgesteuerter Prozess
    Wissenserwerb unterliegt stets einer gewissen Steuerung, Kontrolle und Verantwortung durch den Lernenden, auch wenn das Ausmass sehr unterschiedlich ist. Wissenserwerb ohne jeglichen Selbststeuerungsanteil ist nicht denkbar.

  3. Lernprozessmerkmal: Lernen ist ein konstruktiver Prozess
    Lernen baut stets auf vorhandenen Kenntnissen und Fähigkeiten auf. Ohne einen hinreichenden Erfahrungs- und Wissenshintergrund sind solche Aufbauleistungen als eigene Konstruktionen nicht möglich. Ohne die Anknüpfung an Vorwissen ergeben sich keine kognitiven Prozesse, die wirklich dauerhaft das eigene Können und Wissen stabilisieren.

  4. Lernprozessmerkmal: Lernen ist ein situativer Prozess
    Lernen erfolgt immer in spezifischen Kontexten. Diese kontextuellen Bezüge liefern den Interpretationshintergrund für die Bewertung der Lerninhalte. Sie ermöglichen und begrenzen zugleich die konkreten Lernerfahrungen.

  5. Lernprozessmerkmal: Lernen ist ein sozialer Prozess
    Aus der Eingebundenheit des Einzelnen in eine Gemeinschaft ergibt sich, dass Wissen zugleich auch aus sozialen Aushandlungsprozessen erwächst. Kooperative Situationen erhalten dadurch eine wichtige Bedeutung.

4. Bezüge zwischen Pestalozzis Lernverständnis und aktuellen lernpsychologischen Aspekten

Im Folgenden werden aufgrund von Praxiserfahrungen und persönlichen Einschätzungen Bezüge zwischen den aktuellen Aspekten der Lernpsychologie und Pestalozzis Lernverständnis skizziert.  Die fünf Prozessmerkmale des Lernens nach Reinmann-Rothmeier und Mandl dienen dazu als Gliederungsvorlage.

Lernen ist ein aktiver Prozess

Effektives Lernen ist nur mit aktiver Beteiligung durch die Lernenden möglich. Für Pestalozzi ist Lernen dann effektiv, wenn die Kräfte und Anlagen gleichwertig und harmonisch aufeinander bezogen entfaltet werden (vgl. zweites Statement). Wenn ein Kind sich nicht aktiv am Lernprozess beteiligen kann oder will, so geht Pestalozzi davon aus, dass seine Kräfte und Anlagen entweder nicht gleichwertig oder nicht harmonisch aufeinander bezogen zur Entfaltung gebracht werden. Der Lernstoff muss im Sinne Pestalozzis der kindlichen Natur entsprechen, damit sich das Kind drauf einlassen kann. Es gibt eine Reihe von Verhaltensweisen, die den Arbeitseifer von Schülern lähmen oder anspornen. Zum Einen gilt es als Lehrperson, den Schwierigkeitsgrad und den Umfang einer Aufgabe so zu wählen, dass die Schüler nicht entmutigt, sondern ermutigt werden. Dies gelingt dann, wenn die Schüler bei einer Aufgabe gefordert sind, d.h. diese alleine oder gegebenenfalls mit wenig Unterstützung bewältigen können. Dies bedingt, dass die Lehrperson den Entwicklungsstand und die Bedürfnisse der Schüler adäquat einschätzen kann. Die Schüler sollten daran gewöhnt werden, immer dann erst Hilfe zu erbitten, wenn sie nicht mehr weiterkommen. Die erfahrene Lehrperson bemerkt, wenn ein Schüler an seine Grenze stösst und versteht es, ihm dann über die Schwierigkeit hinweg zu helfen und ihn zu weiterer Übung zu ermutigen. Das Wichtigste besteht darin, dass jeder Schüler Erfolg haben kann und diesen Erfolg auch selbst als solchen wahrnimmt.

Lernen ist ein selbstgesteuerter Prozess

Das zweite Prozessmerkmal des Lernens knüpft direkt beim ersten an: Wissenserwerb ist ohne Selbststeuerung durch die Lernenden nicht möglich. Für Pestalozzi war klar, dass sich die Kräfte durch deren Gebrauch entfalten und dass diese zur Entfaltung drängen – sofern man dies nicht unterbindet (vgl. erstes Statement). Das Kind hat sein eigenes Lerntempo, das durch extrinsische Motivation ein Stück weit gesteigert werden kann, jedoch grundsätzlich den Regeln der Selbststeuerung unterliegt. Die Lehrperson muss daher den Schülern für das erfolgreiche Lernen ausreichend Zeit zur Verfügung stellen. Oft genug ist gegenüber einem Kind, das eine Sache nicht oder nicht so schnell begreift oder beherrscht, die einzig fruchtbare Massnahme, dass man geduldig wartet. Letztlich ist der Mensch hinsichtlich seiner Bildung vergleichbar mit einem pflanzlichen Organismus, dessen Wachstum auch nicht beliebig beschleunigt werden kann. Gras wächst nicht schneller, wenn man es aus dem Boden zu ziehen versucht.

Lernen ist ein konstruktiver Prozess

Zentral an diesem Prozessmerkmal des Lernens ist der Aspekt, dass Lernen stets auf vorhandenem Wissen, Kenntnissen und Fähigkeiten aufbaut. Lernen findet demzufolge dann statt, wenn an bereits vorhandenen Strukturen angeknüpft werden kann und wenn neue Inhalte und Strukturen stufenweise darauf aufgebaut werden. Pestalozzi wies explizit auf die Lückenlosigkeit und das schrittweise vorgehen, ausgehend von Gefestigtem, hin (vgl. fünftes Statement).

Aufgrund aktueller lernpsychologischer Ansätze schaffen Lernende im Verlaufe des Lernprozesses durch Rekonstruktion, Konstruktion und Dekonstruktion eine individuelle Repräsentation des Lerngegenstandes.

Pestalozzi beschreibt diesen Prozess ausführlich im Rahmen der Anschauungsstufen. Er verwendet die Anschauung als das Fundament, worauf alles weitere Nachdenken und Reden über einen Unterrichtsgegenstand baut und unterscheidet dabei vier Stufen. Auf der ersten Stufe, der „dunkeln Anschauung“, wirken einfache Reize auf die Sinnesorgane, so wie das bei Tieren auch möglich ist. Pestalozzi bezeichnet daher diese Art der Wahrnehmung oft auch als „tierische“ Anschauung. Bereits die zweite Stufe, die „bestimmte Anschauung“ ist nur noch dem Menschen möglich. Dabei geht es um das Erfassen von genauen Formen, der Anzahl und die sprachliche Benennung der Gegenstände.
Auf der dritten Stufe der Anschauung, der „klaren Anschauung“ sollten unter Beteiligung möglichst aller Sinnesorgane möglichst viele weitere Eigenschaften geklärt werden, so z.B. die Oberflächenbeschaffenheit, die Farbe, die Temperatur, der Klang, der Geschmack, der Geruch, das Gewicht und die Konsistenz. Dies sind alles Begriffe, mit denen der Schüler bereits Vorerfahrungen aus dem Alltäglichen verbindet und seine Vorstellung dazu erweitert. Entscheidend dabei ist, dass diese Klärung immer verbunden sein sollte mit der sprachlichen Benennung. Die Schüler können auf dieser Stufe nicht nur den Gegenstand an sich benennen, sondern finden auch die zutreffenden sprachlichen Ausdrücke für dessen Eigenschaften.

Auf der vierten Anschauungsstufe geht es darum, den Lerngegenstand in einen weiteren Zusammenhang hineinzustellen, der im Augenblick mit den Sinnen nicht unmittelbar erfassbar ist. Dazu kommt das Kind nur ausnahmsweise durch eigenes Erforschen, in der Regel aber durch das Unterrichten der Lehrperson. So erfährt es z.B. über irgend einen Gegenstand, wozu er gebraucht wird, wer ihn erzeugt hat, wie er im Verlaufe der Geschichte entwickelt wurde, mit welchen andern Gegenständen er in einem Zusammenhang steht, welchen Wert er hat oder welche Gefahren er in sich birgt. Indem das Kind dieses Wissen erwirbt, entwickelt sich aus der klaren Anschauung ein „deutlicher Begriff“. Da nun das Wissen über irgendeinen beliebigen Gegenstand grundsätzlich beliebig ausgedehnt werden kann, ist auch der deutliche Begriff nichts endgültig Abgeschlossenes, sondern lässt im Verlaufe des Lebens immer weitere Verdeutlichungen zu.

Somit wird klar, dass Pestalozzi ein durchaus konstruktivistisches Verständnis von Lernen und Begriffsbildung hatte.

Lernen ist ein situativer Prozess

Lernen erfolgt immer in spezifischen Kontexten. Pestalozzi trägt diesem Sachverhalt insofern Rechnung, als er vermerkt, dass sich die verschiedenen Kräfte unter unterschiedlichen Gesetzmässigkeiten entfalten (vgl. drittes Statement). Die Grundlage der intellektuellen Bildung (geistige Kräfte) ist die „äussere Anschauung“, die wie eben beschrieben vierstufig verläuft und die Realitätserfahrung mit möglichst allen Sinnen umfassen sollte.

Lernen der Sittlichkeit (Gefühlskräfte) ist nur durch die reale Teilhabe sittlicher Lebensverhältnisse möglich. Grundlage dazu ist die “innere Anschauung“, die nur dann gebildet wird, wenn positive zwischenmenschliche Beziehungen bestehen und sich die erwachsenen Vorbilder selbst an sittlichen Ansprüchen orientieren.

Die handwerklichen Kräfte (physische Kräfte) entfalten sich - stets in Verbunde mit der intellektuellen Entwicklung - ausgehend von der Aufmerksamkeit auf Richtigkeit mittels Übung bis hin zu einem freien Umgang mit der erworbenen Fertigkeit. Die Stufe der „Freiheit“ entspricht der Zieldimension des interaktionistischen Konstruktivismus, welche die Anwendung und Abstraktion von Kulturtechniken beschreibt.

Einen weiteren situativen Bezug schaffte Pestalozzi, indem es ihm ein Anliegen war, armen Kindern ein Leben in Armut zu ermöglichen, ihnen beizubringen, wie sie ihr Leben in ärmlichen Verhältnissen bewältigen können. Es bringt den Kindern nichts, wenn sie Dinge lernen, die sie in ihrer unmittelbaren Erfahrungswelt nicht umsetzen können. Sie müssen mit der realen Lebensumwelt zurecht kommen. Pestalozzi legte deshalb grossen Wert auf den Erwerb handwerklicher Fertigkeiten, weil diese für die damaligen Kinder existenzsichernd waren.

Lernen ist ein sozialer Prozess

Lernen findet meistens in einem sozialen Kontext statt. Pestalozzi betonte dies mit der Formulierung, dass Bildung und menschliches Lernen nur „von Angesicht zu Angesicht, von Herz zu Herz“ stattfinden kann (vgl. viertes Statement). Damit meinte er nicht nur die Beziehung zwischen Lehrpersonen und Schülern sondern auch die Beziehung der Schüler untereinander. Er wies darauf hin, dass kooperatives Lernen einerseits die Kinder freut und andererseits ihn als Lehrperson entlastet:

„Die Menge und Ungleichheit der Kinder erleichtert meinen Gang. So wie das ältere und fähigere Geschwister unter dem Auge der Mutter den kleineren Geschwistern leicht alles zeigt, was es kann, und sich froh und groß fühlt, wenn es also die Mutterstelle vertritt, so freuten sich meine Kinder, das, was sie konnten, die anderen zu lehren. Ihr Ehrgefühl erwachte, und sie lernten selber doppelt, indem sie das, was sie wiederholten, andere nachsprechen machten. So hatte ich schnell unter meinen Kindern selbst Gehilfen und Mitarbeiter.“ [Stanserbrief (1799, PSW 13)]

Norm Green (2009) definiert kooperatives Lernen für die heutigen Verhältnisse wie folgt:

„Kooperatives Lernen bedeutet, dass sich Schülerinnen und Schüler gegenseitig bei der Arbeit unterstützen und gemeinsam zu Ergebnissen gelangen. Dies geschieht in Partner- oder Gruppenarbeit. In gut strukturierten Lerngruppen wird unter Zuhilfenahme von zahlreichen Methoden ein hohes Aktivierungsniveau der Lernenden erreicht mit nachhaltigen Erfolgen im kognitiven Bereich. Problemlöse- und Sozialkompetenz werden gleichermaßen aufgebaut und führen häufig zu einem positiveren Selbstbild der Lernenden. Grundvoraussetzung für die erfolgreiche Arbeit in Gruppen ist das Schaffen eines förderlichen sozialen Klimas mit positiven Abhängigkeiten unter den Gruppenmitgliedern.“

Bereits Pestalozzi sah die Notwendigkeit und den Mehrwert dieser Sozialform des Lernens und nutzte diese gezielt.

5.Konklusion

Pestalozzis Lernverständnis reicht natürlich noch viel weiter als im Rahmen dieses Beitrags skizziert wurde. Aus den beschriebenen Lernprozessmerkmalen und versuchten Bezügen zu Pestalozzis Lernverständnis wird aber deutlich, dass Pestalozzi durchaus ein konstruktivistisches Lernverständnis unterstellt werden kann. Dies zeigt sich vor allem daran, dass er vom Kind aus dachte und er seine methodisch-didaktischen Bemühungen stets in Hinblick auf die Entfaltung der kindlichen Kräfte ausrichtete. Er verstand Lernen als einen lebenslangen Prozess, der von aussen zwar angeregt, aber vom Menschen selbst – entwicklungsbedingt – gesteuert wird. Die Kräfte entfalten sich nur dann, wenn sie dazu angeregt werden, d.h., wenn ihnen dazu Anlass geboten wird. Pestalozzi beschrieb die Bedingungen, unter denen sich die unterschiedlichen Kräfte entfalten, sehr detailliert und entwarf dazu eigene Methoden.

Der heutige Lebenskontext unterscheidet sich grundlegend von demjenigen zu Pestalozzis Zeiten. Seine Forderung hingegen bleibt im Wesentlichen bestehen: Die Kinder sollen die realen Herausforderungen des Lebens und des Zusammenlebens auf ihre Weise meistern können. Dazu ist die Initiierung und Begleitung von sinnesphysiologischen (handwerklichen), neuronalen/kognitiven (intellektuellen) und sozialen (emotionalen) Prozessen grundlegend.

6. Literaturverzeichnis

Brühlmeier A. (1996): Pestalozzis Erziehungsidee in 18 Thesen. www.bruehlmeier.info Pestalozzi; Lehrtexte und Abhandlungen (besucht am 3.6.2009)

Green N. (2009): Definition Kooperatives Lernen.
www.learn-line.nrw.de/angebote/greenline/lernen/grund/gruende.html (besucht am 15.6.2009)

Pestalozzi H. (1799). Stanserbrief. In: Pestalozzis gesammelte Werke 13

Pestalozzi H. (1815). An die Unschuld. In: Pestalozzis gesammelte Werke 24 A

Pestalozzi H. (1826). Schwanengesang. In: Pestalozzis gesammelte Werke 28

Reinmann-Rothmeier G. / Mandl H. (2001). Unterrichten und Lernumgebungen gestalten. In: Krapp A. / Weidenmann B. (Hrsg). Pädagogische Psychologie.  Weinheim: Beltz. 4. Aufl.

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