Sämtliche Werke und Briefe auf CD-ROM.

Konzeption u. Bearbeitung: Leonard Friedrich u. Sylvia Springer. Hrsg. u. Vertrieb: Pestalozzianum Zürich, techn. Herstellung: Makrolog, Wiesbaden 1994. ()

Die gedruckte Kritische Ausgabe Sämtlicher Werke und Briefe Pestalozzis war noch nicht vollständig abgeschlossen, als 1994 bereits die Werk und Briefausgabe auf CD-ROM erschien. Mit der Konzeption der Volltext-CD-ROM "Johann Heinrich Pestalozzi. Sämtliche Werke und Briefe" betraten die "Autoren" Leonhard Friedrich und Sylvia Springer in der Pädagogik Neuland () Friedrich und Springer haben das umfangreiche Werk Pestalozzis, das 1994 in 42 Bänden der Werk und Briefreihe mit insgesamt ca 21.000 Druckseiten vorlag, als Volltextdatenbank aufbereitet und in diese die ca 300 Schriften und über 6.000 Briefe Pestalozzis aufgenommen, sowie die Informationen der in jedem Band der beiden getrennten Reihen enthaltenen Anhänge Textkritik, Sacherklärung, Worterklärung und der auf die einzelnen Bände bezogenen Namens und Ortsregister.

Am Anfang stand ein von der Deutsche Forschungsgemeinschaft gefördertes Forschungsprojekt zur Erstellung eines Registers der . Um dieses Register erstellen zu können, mußte zuerst die gesamte Werk und Briefausgabe auf einen Datenspeicher eingelesen werden. Besonders Leerseiten, Leerzeilen und die Handhabung von Textlücken erwiesen sich als Fehlerquellen, aber auch das Einlesen der kompliziert und aufwendig in Fraktur gesetzten Anhänge mit ihrer kaum sichtbaren Unterscheidung der Buchstaben 's' und 'f'. Nach der Beseitigung der Einlesefehler stellte sich die Frage, wie man mit Pestalozzis heute zumindest ungewöhnlicher Schreibweise umgehen sollte. Zur lückenlosen Recherchierbarkeit von Nachweisen wurde eine Textbereinigung vorgenommen und die gesamten Texte der heutigen Schreibweise angeglichen. Ein Textbeispiel aus , worin es unter Bezug auf Rousseau um das Verhältnis von Freiheit und Gehorsam in der Erziehung geht, zeigt anschaulich den Umfang des Eingriffs in den Textkorpus:

Originaltext:

Wo liegt der Fehler? Die Wahrheit ist nicht einsitig. Fryheit ist ein Gut und Gehorsam ist es ebenfahls. Wir müssen verbinden, was Rousseau getrent. Überzeügt von dem Ellend einer unweisen Hemung, die die Geschlechter der Mentschen erniederte, fand er keine Grenze der Fryheit. Laß uns die Weisheit seiner Grundseze anwendbar machen. Lehrer, sye von dem Guten der Freyheit überzeügt; laß deine Eitelkeit nicht in Treibung unreifer Früchte dich kützeln. Dein Kind sye fry, so sehr es immer kann; scheze jede Müglichkeit, ihm Fryheit und Ruhe und Gleichmütigkeit zu geben; alles, gar alles, was du durch die Folgen der ineren Natur der Sachen lehren kanst, das leere nicht mit Worten.

Bereinigter Text:

Wo liegt der Fehler? Die Wahrheit ist nicht einseitig. Freiheit ist ein Gut und Gehorsam ist es ebenfalls. Wir müssen verbinden, was Rousseau getrennt. Überzeugt von dem Elend einer unweisen Hemmung, die die Geschlechter der Menschen erniederte, fand er keine Grenze der Freiheit. Laß uns die Weisheit seiner Grundsätze anwendbar machen. Lehrer, sei von dem Guten der Freiheit überzeugt; laß deine Eitelkeit nicht in Treibung unreifer Früchte dich kitzeln. Dein Kind sei frei, so sehr es immer kann; schätze jede Möglichkeit, ihm Freiheit und Ruhe und Gleichmütigkeit zu geben; alles, gar alles, was du durch die Folgen der inneren Natur der Sachen lehren kannst, das lehre nicht mit Worten.

Nach dem Vorliegen der gesamten Texte der Kritischen Werk und Briefausgae, einschließlich ihrer Anhänge auf einem Datenspeicher, ergab sich die Möglichkeit der Weiterentwicklung dieses Datenmaterials zu einer Volltextdatenbank auf CD-ROM. Zur Optimierung des Verständnisses haben die Autoren Friedrich und Springer der CD-ROM zusätzliche Sachinformationen hinzugefügt:

  • ein umfangreiches Personenregister mit 9.108 Einträgen, das bei fast allen aufgeführten Personen in Form eines biographischen Kurzlexikons über die gesuchte Person informiert, den Bezug zu Pestalozzi beschreibt und danach die Fundstellen in PSW und PSB auflistet. Da hier sehr oft Hunderte einzelner Nachweise erfolgen, wäre eine differenzierte Auflistung hilfreicher, die sofort erkennen läßt, ob es sich beispielsweise um einen Briefempfänger handelt, um die Nennung in einem Brief oder Werk Pestalozzis oder um die Erwähnung in einem der Anhänge von PSW oder PSB. Im Personenregister sollte man sich wie im Gesamtwortindex mit Eingabe eines Zeichens an die gewünschte alphabetische Stelle bewegen können. Die biographischen Angaben zu den einzelnen Personen haben einen unterschiedlichen Umfang und eine unterschiedliche Qualität. Sie reichen von der Angabe reiner Lebensdaten oder der Angabe einer Veröffentlichung über Pestalozzi bis hin zu gründlich recherchierten Biographien und enthalten vor allem bei Personen der neueren Pestalozzi-Rezeption auch Lücken und Fehler (). Wohlgemerkt: dieses Register enthält nur Biographien von Personen, die entweder in Pestalozzis Texten oder in den kommentierenden Texten der Bearbeiter vorkommen. Dieses Register ist damit kein aktueller Spiegel der Pestalozzi-Forschung oder Pestalozzi-Literatur, da die letzten Einträge von Emanuel Dejung aus den 70er Jahre stammen. Deshalb sind beispielsweise selbst die "Autoren" der PCD, Leonhard Friedrich und Sylvia Springer nicht im Personenregister aufgeführt.
  • ein Vermittlerverzeichnis mit Angabe der Personen, die Informationen für die Anhänge der Kritischen Ausgabe bereitgestellt haben. Es sind insgesamt 339 Einträge, darunter auch Institutionen wie Archive und Bibliotheken.
  • ein Verzeichnis der Briefempfänger mit insgesamt 1430 Einträgen und der Angabe der jeweiligen Briefnummern. Bei jeder Nummer kann man sich den nachgewiesenen Brief zeigen lassen. Unterschiedliche biographische Einträge im Verzeichnis der Briefempfänger (hier in der Regel deutlich kürzer) und im Personenregister machen oft doppelte Recherchen nötig. Bei den biographischen Angaben zu den einzelnen Briefempfängern sollten deshalb grundsätzlich die in der Regel umfangreicheren Angaben des Personenregisters gezeigt werden. Eine den biographischen Angaben folgende chronologische Aufstellung der empfangenen Briefe anstelle einer Liste der Briefnummern wäre eine zusätzliche Hilfe. Diese Liste kann man aber über die Suche nach der Option 'Felder' unter Eingabe des gesuchten Adressaten erzeugen.
  • ein Verzeichnis der Subskribenten der Cotta-Ausgabe mit insgesamt 1429 Einträgen. In diesem Subskribentenverzeichnis findet sich wiederum ein biographischer Eintrag, der vom Eintrag im Personenregister und gegebenenfalls im Verzeichnis der Briefempfänger abweicht. Auch hier sollte jeweils ein mit dem Personenregister identischer Eintrag gezeigt werden. Die Angabe der Anzahl der subskribierten Exemplare gehört durchweg ins Subskribentenverzeichnis, findet sich aber teilweise nur bei den Einträgen des Personenregisters, beispielsweise 50 subskribierte Exemplare durch die Fürstin Therese Mathilde von Thurn und Taxis.
  • ein Verzeichnis der geographischen Namen mit 3050 Einträgen, in denen in der Regel keine lexikalischen Ausführungen gemacht, sondern nur geographische Zuordnungen erfolgen und unterschiedliche Schreibweisen in Pestalozzis Schriften angeboten werden wie "Clindy [Clindi, Clendy, Klindi] (bei Yverdon, Kt. Waadt)". Selten werden auch Sacherklärungen gemacht wie "Abdera, Abderiten, abderitisch (Ort in Griechenland, in dem Menschen mit vermeintlich beschränktem Geisteshorizont lebten; von Pestalozzi oft in übertragenem Sinne verwandt)".
  • ein Verzeichnis der fiktiven Namen im Werk Pestalozzis, das getrennt ist in ein Verzeichnis fiktiver Personennamen (z.B. "Anna Theodose; Figur aus dem 'Schweizerblatt'; Haushälterin des Junkers") mit 586 Einträgen, ein Verzeichnis fiktiver geographischer Namen (z.B. "Bonnal (Bonal), Bonnaler") mit 43 Einträgen und in ein Verzeichnis der Fabeltiere oder besser ein Verzeichnis der in Pestalozzis Fabeln vorkommenden Tiere mit 63 Einträgen von Adler bis Zeisig, die vom Fabelverzeichnis kommend im Text allerdings nicht herausgehoben dargestellt werden. Bei der allgemeinen Suche in allen Texten werden in der Regel von diesen Tieren weitere Fundstellen nachgewiesen und dann im Bezugstext auch farbig unterlegt. Nachweise über das Register Fabeltiere führen ausschließlich zu Pestalozzis Fabeln.
  • ein sehr nützliches biographisches Quellenverzeichnis, das nach den Buchstabengruppen AZ aufgerufen werden kann. Dieses Verzeichnis führt die biographische Literatur auf, aus der viele der biographischen Angaben des Personenregisters zusammengestellt sind. Es handelt sich um einige Hundert Titel, die vor allem die Identifizierung von zumindest regional bekannten Personen des 18. und 19. Jahrhunderts ermöglichen. Der Schwerpunkt der angeführten Quellen liegt im deutschsprachigen Mitteleuropa, es werden aber auch französische, ungarische, italienische und international bezogene Biographien nachgewiesen.
  • als weitere "Zusätze" enthält die PCD Worterläuterungen und Abbildungen. Die Worterläuterungen sind nach den Buchstaben AZ untergliedert und enthalten innerhalb jeder Buchstabengruppe bis zu einigen Hundert Worterläuterungen, insgesamt also Tausende von Einträgen. Deshalb sollte man sich Worterläuterungen nicht nur über die Buchstabengruppen AZ erschließen können, sondern über eine fortlaufende alphabetische Liste, in der man sich durch die Eingabe eines Zeichens bewegen kann. Diese Worterläuterungen reichen von den Erklärungen bekannter lateinischer Ausdrücke ("nervus rerum: 1. Triebfeder; 2. Hauptsache, Zielpunkt allen Strebens") und lateinischer Sprichwörter ("ne sutor ultra crepidam [lat.]: der Schuster möge nicht über seinen Leisten hinausstreben, Plinius"), älterer deutscher Ausdrücke ("Baase: Nichte"), Erklärungen der vielen französischen Anleihen in Pestalozzis Sprache ("aboutieren [franz. aboutir]: hinzielen, bezwecken" oder "Abrutissement [franz. abrutissement]: Entwürdigung, Verrohung, ('Vertierung'), (eigentl. Verdummung)" und "abrutieren: entwürdigen, 'vertieren'") über die vielen biblischen Bilder wie "Abigailsrat: verführender, böser Rat (Abigail: Gestalt des Alten Testaments)" bis hin zu den sprachlichen Eigenschöpfungen Pestalozzis ("Pausbackengefühl: Gefühl satter Zufriedenheit", "Privatwindbeutelei: auf eigene Faust begangene Gaunerei" oder "Redhaus: Schwätzer") und speziellen schweizerdeutschen bzw. alemannischen Ausdrücken ("Recholderwasser: Wacholderbranntwein"). Die Worterläuterung von "Nationaltracht: landesübliche Speise" ist objektiv unzutreffend, es müßte heißen "Nationaltracht: landesübliche Kleidung", auch wenn Pestalozzi im übertragenen Sinne schreibt: "Machet des Schak [Schach] zu euerem Nationalspiel, und die Erdapfel [Kartoffeln] zu euerer Nationaltracht!" . Die Abbildungen untergliedern sich in die Gruppen Titelbilder (2), Handschriften Pestalozzis (11), Handschriften von Pestalozzis Mitarbeitern (3; Krüsi, Schmid und Niederer), Pestalozzi-Portraits (22), Pestalozzis Lebensstationen (31) , Pestalozzis Schüler (3), Pestalozzis Mitarbeiter (19), Pestalozzis Familie (4 Stammbäume), Pestalozzis Familie (8), Pestalozzis Freunde, Gönner, Förderer (27), Pestalozzis Gegner (2), Anschauungsbilder und Lehrtafeln (8) und eine Übersicht über alle Abbildungen, die aber besser an den Anfang gehört, statt unter dem Buchstaben 'Ü' an das Ende dieser Abbildungen.

Pestalozzis Denken ist stark von der Auseinandersetzung mit Rousseau geprägt (). Am Beispiel von Pestalozzis Verhältnis zu Rousseau und dessen Einfluß auf die Werke und die Lebensentscheidungen Pestalozzis können exemplarisch die Rechercheangebote und Suchwege der PCD vorgestellt werden:

  • Nach Erscheinen der Suchmaske kann man sofort den gewünschten Suchbegriff 'rousseau' eingeben und erhält bei der Suche in allen Dokumenten insgesamt 114 Treffer jeweils in der Reihenfolge ihres Auftretens: in Pestalozzis Schriften (Nr. 119), in den Briefen (Nr. 2029), in den Anhängen von PSW (Nr. 3080) und PSB (Nr. 8196), im Personenregister (Nr. 97112), im Register fiktiver Namen (Nr. 113) und in den Worterklärungen (Nr. 114). Die Suche kann dabei auf einzelne Dokumententypen beschränkt werden: Suche in allen Dokumenten, in den Werken, in den Briefen, in den Anhängen, im Register (Personennamen, Vermittler, Briefempfänger, Subskribenten der Cotta-Ausgabe, Geographische Namen, Fiktive Personennamen, Fiktive geographische Namen, Fabeltiere, Biographische Quellen) und in den Zusätzen (Worterläuterungen, Abbildungen).
  • Da diese einfachste Form der Recherche nach Rousseau nur die Fundstellen des Wortes 'rousseau' in den Dokumenten nachweist, müssen im Gesamtwortindex weitere infrage kommende Begriffe gesucht werden. Der alphabetisch sortierte Gesamtwortindex gibt gleichzeitig die absolute . In unserem Beispiel ist die Genitivform des Suchwortes Rousseau 'rousseaus' in den Dokumenten insgesamt 74 mal nachgewiesen, führt also zu einer Vielzahl weiterer Fundstellen. Noch weitere Begriffe müssen aus dem Gesamtwortindex für unsere Recherche herangezogen werden: 'rousseauische' (1), 'rousseaukenntnis' (1), 'reausseaulektüre' (1) 'rousseauscher' (2). Diese Begriffe können vom Gesamtwortindex direkt in die Suchfrage übernommen werden.
  • Die Trunkierung ist eine weitere Möglichkeit zum Finden abgewandelter Begriffe: es können Wortteile am Anfang, in der Mitte oder am Ende eines Begriffs mit Platzhaltern versehen werden. Die Trunkierung kann mit der Suche im Index verbunden werden, um unerwünschte Treffer bereits von vornherein auszuschließen: wer Pestalozzis Auseinandersetzung mit Rousseaus Naturbegriff recherchieren will, kann z.B. die in diesem Zusammenhang uninteressanten Begriffe wie "bibliothekssignatur", "paginatur" oder "naturaliensammlung" von der weiteren Recherche ausschließen. Die Trunkierung ist vor allem für Wortteile am Anfang eines Suchbegriffs wichtig, da hier die Suche im Gesamtwortindex nicht zu dem gewünschten Wort führt.
  • Über die Suche in unterschiedlichen Dokumententypen hinaus gibt es weitere differenzierte Suchmöglichkeiten wie beispielsweise die Suche in Dokumenten eines bestimmten Bandes der Werk oder Briefausgabe, die Suche in einem bestimmten Werk, was besonders bei den großen Schriften Pestalozzis wie dem Erziehungsroman "Lienhard und Gertrud" nützlich ist, die Suche in ausgewählten Gattungen (z.B. Reden) oder die Suche innerhalb eines bestimmten Zeitraums (z.B. Jan. 1990 Dez. 1999). Diese "Zielschärfe" der Recherche ist besonders bei häufig vorkommenden Begriffen wie Anschauung, Methode, Erziehung, Buch, Schule, Natur usw. wichtig.
  • Der Nutzer der PCD kann sich bei jedem Treffer die zugehörige Fundstelle zeigen lassen, in der Regel ist dies die Textseite in PSW und PSB. Der Nutzer hat aber auch die Möglichkeit, sich kurz über die Bedeutung der Fundstelle zu informieren. Über die KWICFunktion (Key-Word-In-Context) kann man sich die jeweilige Fundstelle in ihrem Kontext anzeigen lassen und zwar wahlweise im Kontext von 1, 2, 3 oder 6 Zeilen.
  • Mit der RankingFunktion kann man Frequenzangaben nach Zeitabschnitten graphisch sichtbar machen, wodurch sich Hinweise auf Schwerpunkte in Pestalozzis Arbeiten ergeben. Im Handbuch der PCD wird die Funktion des Ranking am Beispiel der Häufigkeit des Auftretens der Begriffe Mutter und Vater in den unterschiedlichen Lebens und Arbeitsphasen Pestalozzis demonstriert .
  • Bei der Arbeit mit der PCD sind verschiedene Hypertext-Verbindungen möglich, d.h. es wird im angezeigten Text auf Textvarianten im textkritischen Apparat und/oder auf Informationen in den Sacherklärungen verwiesen. Ohne zeitaufwendiges elektronisches Blättern oder der parallelen Buchnutzung kann der Bezugstext jederzeit eingesehen werden und über den "Diamanten" im Bezugstext kommt man wieder in den Ausgangstext zurück.
  • Mit der PCD ist die Suche nach mehreren Begriffen möglich und zwar wahlweise mit und bzw. oderVerbindung, sog. Bool'schen Operatoren, beispielsweise nach 'natur' und 'gesellschaft' (169 Treffer in Werken und Briefen). Bei der Wortabstandssuche lassen sich zwei Begriffe, deren Reihenfolge bestimmt werden kann, wahlweise in der Abstandseinheit Wort, Satz oder Absatz suchen, wobei noch ein Abstandswert eingegeben werden kann. In unserem Beispiel führt die Suche nach den beiden Begriffen 'natur' und 'gesellschaft' in einem Satz und in beliebiger Reihenfolge noch zu 71 Treffern. Bereits der 1. Treffer trägt zur Klärung der Frage nach Pestalozzis Verständnis des Zusammenhangs von Natur und Gesellschaft bei und leistet indirekt einen Beitrag zum Verständnis des Verhältnisses Pestalozzis zu Rousseau: "In diesem Grad ist es wahr, daß der Mensch, so wie er von Natur ist, und wie er, wenn er sich selbst überlassen, wild aufwächst, und seiner Natur nach, nothwendig werden muß, der Gesellschaft nicht nur nichts nützt, sondern ihr im höchsten Grad gefährlich und unerträglich ist."
  • Ein letztes Beispiel macht deutlich, daß ohne fachliche Vorkenntnisse des Nutzers die Ergebnisse einer CD-ROMRecherche lückenhaft bleiben müssen, denn das Ergebnis der Recherche nach 'rousseau' ist für Aussagen des Einflusses Rousseaus auf Pestalozzi letztlich in ihrem Ergebnis äußerst begrenzt. So bezieht sich Pestalozzi in seinen Schriften z.B. mehrmals ausdrücklich auf Rousseaus Erziehungsroman Emile, ohne dabei Rousseaus Namen zu erwähnen. Zu der Recherche nach Rousseau muß also zumindest die weitere Recherche nach 'emil' (30), 'emile' (32) oder 'emils' (3) kommen. Noch immer aber muß offenbleiben, ob Pestalozzi recherchierbar Rousseau oder Emile benennt, wenn er sich auf Rousseau oder dessen Erziehungsroman Emile bezieht. Analytische Aussagen über den Einfluß Rousseaus auf Pestalozzis Denken müssen deshalb auch in Zukunft noch anhand ausführlicher und umfänglicher Textstudien getroffen werden.

Die Grenzen der Arbeit mit einer VolltextDatenbank sind sichtbar: wie bei jedem Register in Printmedien wird bei einer großen Zahl von Verweisen die Suche langwierig und das Finden des gesuchten Nachweises oft zufällig. Die Textbereinigung in den Dokumenten der PCD ist für eine reibungslose Volltextsuche wohl unverzichtbar, damit aber ist für wissenschaftliches Arbeiten parallel zur CD-ROM auch die Nutzung der Printausgabe erforderlich. Zum Lesen eignet sich die elektronische Textedition nach Meinung des Verfassers weniger: das Arbeiten am gedruckten Text wird nicht überflüssig, die wissenschaftliche Analyse und Recherche in Pestalozzis Schriften aber ganz wesentlich erleichtert. Hierzu vier Beispiele:

  • Häufig wird zur Charakterisierung einer lebensfernen und nur auf verbaler Einübung inhaltsloser Floskeln reduzierten Schule auf Pestalozzis einprägsamen Begriff des "Maulbrauchens" zurückgegriffen. Schwer zu ermittelnde Belegstellen führten oft zum Gebrauch des Begriffs ohne Quellenangabe. Die PCD weist bei der Recherche nach 'maulbrauchen' in Pestalozzis Werken und Briefen insgesamt 43 Fundstellen nach und anhand dieser vielen Belegstellen läßt sich der Begriff näher bestimmen. Zwei Textbeispiele: "den Menschen mit leeren Worten Staub in die Augen zu werfen" oder bei der Lebensbeschreibung des Hummel in Lienhard und Gertrud die Verbindung von Maulbrauchen und Müßiggang: "Sie [die Eltern] ließen ihn das Maul aufthun, wo er wollte, und über was er wollte; und das Maulbrauchen und Müßiggang wurden bey ihm, was sie bey so vielen Leuten sind, gute Geschwisterte, die sich immer gern bey einander finden." Wie die vielen Nachweise deutlich machen, steht bei Pestalozzi der Begriff des Maulbrauchens sehr häufig für gedanken und anschauungsloses Nachplappern, auf das die Menschen wie gegen ein "Todgift" auf der Hut sein müssen . Pestalozzi verwendet den Begriff auch häufig zur Kennzeichnung eines verfälschten Christentums, bei dem insbesondere die Predigt im Stile des Maulbrauchens sich nicht am Wohl der Menschen orientiere. Auch bei der Suche nach 'maulbrauchen' erschließen sich über den Gesamtwortindex weitere Belegstellen über die Suche nach 'maulbrauchende' (1), 'maulbrauchenden' (6), 'maulbrauchens' (24), 'maulbraucher' (12), 'maulbraucherei' (10), 'maulbraucherfehden' (2), 'maulbrauchergesellschaft' (1), 'maulbrauchern' (1), 'maulbraucherverderben' (1), 'maulbraucherzeitalter' (1) und 'maulbrauches' (1). Über die Linkstrunkierung findet sich noch 'volksmaulbrauchens' (1).
  • Fast schon sprichwörtlich ist Pestalozzis einprägsames Bild des Menschen bzw. des Kindes als einer Einheit von Kopf, Herz und Hand. Nachweise selbst für dieses geläufige Bild waren bisher in den gedruckten Texten nur schwer zu ermitteln, zumal dieses Bild häufig ohne Quellenangabe angeführt wird. Mit der CD-ROMRecherche finden sich leicht aussagekräftige Belege, z.B. in der 3. Fassung von Lienhard und Gertrud die Beschreibung von Kopf, Herz und Hand als den drei Grundkräften, von denen alles Fühlen, Denken und Handeln der Menschen ausgeht .
  • Zitate nachzuweisen ist ein weiteres Angebot der PCD. Allerdings sind solche Nachweise nicht leicht zu erbringen, wenn es sich um Sätze ohne leicht zu identifizierende und recherchierbare Begriffe handelt. Der Verfasser bemühte sich, die von Froese angeführte Formulierung Pestalozzis zu ermitteln, die auf Nohls Schreibtisch stehend, dessen pädagogische Einstellungen ausdrücken sollte, und die man nach Froeses Meinung dem ganzen theoretischen und praktischen Lebenswerk Pestalozzis voranstellen könne: "Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nehme Schaden an der Seele seines Kindes!" Zwar hat Pestalozzi mehrmals in verschiedenen Varianten die biblische Formulierung aus dem Matthäusevangelium: "Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewüne, litte aber Schaden an seiner Seele" gebraucht, aber die entscheidende Formulierung "Schaden an der Seele seines Kindes" kann nicht nachgewiesen werden. Wenn diese Aussage über die PCD nicht nachgewiesen werden kann, muß man folgern, daß entweder der Verfasser nicht zutreffend ermittelt hat oder die angeführte Aussage Pestalozzi zwar einfühlsam Pestalozzi könnte das gesagt haben aber real unzutreffend zugeschrieben wird und damit gleichzeitig die Glorifizierung und Mythologisierung Pestalozzis in der Pädagogik belegt.
  • Die größte Hilfe bietet die PCD beim sekundenschnellen Nachweis bestimmter Suchbegriffe. Beispielsweise dem regionalen Bezug zu Aarau (232 Treffer) oder der Suche nach der Zahl der Briefe an Nicolovius (30). Diese Dienste kann allerdings ein gutes gedrucktes Gesamtregister der PSW und PSB zwar nicht so komfortabel aber doch ebenso zutreffend leisten. Anders verhält es sich bei der ausgefallenen Frage, ob Pestalozzi das Wort "Maulwurf" in seinen Schriften verwendet hat. Pestalozzi hat zwar das Wort Maulwurf nicht verwendet, aber in den Worterklärungen kommt das Wort Maulwurf als Erklärung für den mundartlichen Ausdruck "Schär" vor und dieses Wort hat Pestalozzi in seinen Texten einmal benutzt: in einem Brief an Niederer schreibt Pestalozzi im Zusammenhang des Lehrerstreits in Yverdon, "daß alle für mich genohmenen Maaßregeln eben so viel syen, als wenn man einen lebendigen Schär vergrabe" .

Der bereinigte Text der CD-ROM hat sich für das Zitieren in wissenschaftlichen Veröffentlichungen nicht durchgesetzt, vielleicht sollte doch die Wiedergabe auch des Originaltextes angestrebt werden, um für den Nutzer die parallele Buchnutzung zu vermeiden. Das Verhältnis der CD-ROMEdition zur Printausgabe birgt weiteren Zündstoff: wie soll die CD-ROMEdition auf offenkundige Fehler der Printausgabe reagieren? Soll man beispielsweise Fehler der Printausgabe stillschweigend bereinigen, kommentiert belassen oder darf man überhaupt nicht von der gedruckten Ausgabe abweichen, die man ja wiedergeben will? Die Verlockung ist groß, die CD-ROMEdition zu einer Überarbeitung oder gar Neubearbeitung der kritischen Gesamtausgabe zu nutzen, da Fehler der Printausgabe und fragwürdig gewordene Texte des wissenschaftlichen Apparates nunmehr leicht korrigiert werden können. Und ein letztes: der Preis der CD-ROMEdition ist mit ursprünglich SFr. 2.550., nunmehr auf SFr. 1.500. für eine Einzelplatzversion reduziert, sehr hoch. Eine Neuausgabe dieser CD-ROM kann damit nicht sofort eine vorhandene ältere Version ersetzen. Es müßte bei den heutigen Technologien eine wesentlich preiswertere Edition möglich sein wie die elektronischen Volltextausgaben beispielsweise von Kant, Fichte oder Ludwig Wittgenstein zeigen.

 

In ihrer Besprechung der PCD beschreiben die Autorinnen Ursula Flitner und Beate Tröger zuerst die Arbeitsmöglichkeiten mit der Volltext-Datenbank von Pestalozzis Texten. Kritisch sehen sie dabei insbesondere die Funktion des Rankings, da es nicht relative, sondern absolute Werte als Säulen abbilde und die Grafiken nicht in eine Textdatei übernommen werden könnten. Während das leicht verständliche und übersichtlich aufbereitete Handbuch positiv hervorgehoben wird, üben die Autorinnen dann deutliche Kritik an den Hilfsangeboten des Programms selbst, von den nicht ausreichend dokumentierten Anfragen bis hin zu seiner geringen Fehlerrobustheit. Abschließend betonen die Autorinnen am Beispiel der PCD, was letztlich für alle Datenbanken und ganz besonders für Volltext-Datenbanken gilt, daß erst ein umfassendes Vorwissen über Pestalozzi die Nutzung der von ihnen besprochenen CD-ROM wirklich effektiv macht und erst auf der Grundlage dieser Vorkenntnisse sinnvolle Anfragen an die Datenbank möglich sind. Petra Korte sieht in ihrer Besprechung den größten Mangel der CD-ROM Edition im Abweichen von der Textgestalt der Kritischen Ausgabe: Friedrich und Springer bearbeiteten einen bereits bearbeiteten Text ein weiteres Mal und reduzierten mit ihrer orthographischen Modernisierung die notwendige historische Distanz zum Werk Pestalozzis, die sich eben ganz entscheidend auch in der Sprache zeige. Für Korte ist damit die Parallelnutzung der gedruckten Kritischen Ausgabe zwangsläufig und allein diese auch zitierfähig.