Kritische Gesamtausgabe von Pestalozzis Werken

Sämtliche Werke. Kritische Ausgabe. Begr. v. Arthur Buchenau, Eduard Spranger u. Hans Stettbacher. 31 Bde., Berlin und Zürich 1927-1996 (PSW 1-29).

Die Kritische Gesamtausgabe von Pestalozzis Werken und Briefen beruht zu einem erheblichen Teil auf der jahrzehntelangen Editionstätigkeit von Emanuel Dejung (1900-1990). In einem Erinnerungsband zu seinem 100. Geburtstag sind sämtliche Pestalozzi-Veröffentlichungen zusammengestellt (S. 429-436) und ein Teil davon als Volltexte wiedergegeben: Dejung, Emanuel: Geschichte aus Leidenschaft und für die Wahrheit. Winterthur 2000. 511 S.

Details

1927 begann zur Wiederkehr des 100. Todestags Pestalozzis die Herausgabe einer kritischen Ausgabe sämtlicher Schriften und 1946 zur Wiederkehr des 200. Geburtstags die kritische Ausgabe sämtlicher Briefe Pestalozzis. Während die 13 bändige Briefausgabe 1971 einen vorläufigen Abschluß fand, sind unter der langjährigen Redaktionsleitung von Emanuel Dejung [] von der Werkausgabe bis 1979 insgesamt 29 Bände erschienen. Nach einer knapp 20jährigen Unterbrechung konnte fast 70 Jahre nach ihrem Beginn nunmehr die Kritische Ausgabe von Pestalozzis Sämtlichen Werken und Briefen nach einem weiteren Generationswechsel von einer dritten Generation von Bearbeitern abgeschlossen werden: 1995 erschien der Nachtragsband (Bd. 14) der Briefreihe und zum Jahresende 1996 der noch ausstehende Bd. 17B und der Nachtragsband (Bd. 29) der Werkreihe. Von den zwei geplanten Registerbänden ist 1994 der 1. Band erschienen und für die nahe Zukunft der 2. Band angekündigt. Zur Abrundung stehen dann noch eine wissenschaftliche Gesamtbibliographie aus und eine auf 6 Bände geplante Ausgabe Sämtlicher Briefe an Pestalozzi, die ab 1998 erscheinen soll. Mit den Bänden dieser Reihe wird die Edition der Kritischen Gesamtausgabe ihren endgültigen Abschluß finden und dann 55 Bände mit ca. 35.000 - 40.000 Druckseiten umfassen.

Eine so lange Publikationsgeschichte führt zu Brüchen: mehrfacher Verlagswechsel, Finanzierungsprobleme, Wechsel der Bearbeiter und des verantwortlichen Redaktionsleiters und seiner Mitarbeiter stellen die Kontinuität in Frage. Ein Gesamtregister kann erst nach Abschluß der Gesamtausgabe erstellt werden und sein Fehlen schränkte den Umgang mit der unvollständigen Gesamtausgabe deutlich ein. Zudem ist es schwierig, die Gesamtausgabe als ganzes zu kaufen: Zum einen der hohe Preis von ca. DM/SFr 4.000. und zum anderen die fehlende Verfügbarkeit aller Bände im Buchhandel []. Der Kauf der Gesamtsausgabe ist damit fast immer eine Mischung von Kauf im Buchhandel und antiquarischer Suche. Einige der vergriffenen Bände liegen in Form fotomechanischer Reprints vor, andere in einer unveränderten 2. Auflage. Der jetzige Verlag plant in den kommenden Jahren weitere Bände nachzudrucken, denen er jeweils Korrigenda beifügen will. Auch in Bibliotheken ist die vollständige Ausgabe nicht immer vorhanden, Kriegs- und Diebstahlverluste und wechselnde Anschaffungsentscheidungen der Bibliotheken bei zeitweise geringer Nutzung der Werk- und Briefausgabe sind die Gründe.

Während nach fast 70 Jahren die letzten Bände der Ausgabe erscheinen, wäre bereits eine Überarbeitung der zuerst erschienenen Bände angezeigt wie die drei in den letzten Jahren neu edierten Bände zeigen. Die gesamte Kritische Ausgabe von Pestalozzis Werken und Briefen in der Qualität der neu edierten Bände vorzulegen, verlangte allerdings nicht nur eine einfache Nachbearbeitung der seit 1927 erschienenen Werk- und Briefbände, sondern erforderte, alle Materialien bis hin zu den Quellen erneut zu überprüfen und völlig neu zu bearbeiten. Leider finden sich im Textteil der Ausgabe, weder in den zuerst noch in den zuletzt edierten Bänden, Hinweise auf vorhandene Bezugsstexte in den Anhängen und die verschiedenen Textvarianten eines Dokuments lassen sich in beiden Editionen nur schwer zusammenhängend lesen. Trotz dieser Einschränkungen liegt mit der Kritischen Ausgabe von Pestalozzis Sämtlichen Werken und Briefen eine in der Pädagogik bisher unerreichte Editionsleistung vor.

Von den ersten 1927 bis zu den letzten der in den 70er Jahren unter dem Redaktor Emanuel Dejung erschienenen Bände, es waren die Bände 24A (1977) und 24B (1978), sind die Editionsrichtlinien unverändert eingehalten worden und eine Anpassung der Edition an die Erkenntnisse der neueren Editionstheorie fand nicht statt. Alle Bände haben die gleiche Gliederung: Nach einem kurzen Vorwort mit Angaben zu den Bearbeitern und/oder einer Wertung der veröffentlichten Werke im gesamten Textvolumen folgt der Abdruck der Texte und jeder Band schließt mit den vier Anhängen Textkritik, Sacherklärung, Worterklärung und einem gemischten Orts und Namensregister. Im Vorwort zur Gesamtausgabe stellen die Herausgeber, von denen im übrigen keiner als Bearbeiter hervorgetreten ist, die Editionsgrundsätze vor (PSW 1, S. VVIII). In der Sprache der Zeit (1927) und wohl vor allem der Herausgeber (u.a. Spranger) wird wenig überzeugend für eine Kritische Werkausgabe als Ziel der Edition formuliert, daß man mit ihr "einem noch wirkenden und erweckenden Geiste" dienen wolle, der über sein Leben hinaus "immer aufs neue die Kraft der helfenden Liebe und den Willen zu echter Volkserziehung entzündet" habe und die Mitarbeiter sich zu dem Zweck vereinigt hätten, "der ringenden und leidenden Gegenwart der Kulturmenschheit zum Segen" zu gereichen (PSW 1, S. VIII). Ähnlich antiquiert wie das Vorwort wirkt auf den heutigen Leser das bis 1979 unverändert beibehaltene Druck- und Schriftbild der Ausgabe.

Im Zusammenhang ihrer Mitarbeit an den Bänden 26 und 27 äußerte schon 1975 die Pestalozzi-Forscherin Käte Silber deutliche Kritik an der Edition der Werkreihe. Käte Silber (1902-1979) ist in besonderer Weise durch ihre Pestalozzi-Biographie "Pestalozzi. Der Mensch und sein Werk", die 1960 in England unter dem Titel "Pestalozzi. The Man and his Work" erschien und dort mehrfach aufgelegt wurde, bekannt geworden []. Bereits 1932 war Käte Silber mit ihrer viel beachteten Dissertation "Anna Pestalozzi-Schultheß und der Frauenkreis um Pestalozzi" an die pädagogische Öffentlichkeit getreten []. In einem Brief vom 28. April 1975 an Leonhard Froese [] gibt Silber zum einen Auskunft über die Intentionen und Zusammenhänge zwischen der deutschen und der englischen Ausgabe ihrer Pestalozzi-Biographie und beschreibt zum andern ihre Mitarbeit an den Bänden 26 (Erscheinungsjahr 1975) und 27 (Erscheinungsjahr 1976) der Kritischen Werkausgabe:

"Die Richtlinien der Ausgabe wurden vor ca 50 Jahren festgelegt und werden immer noch strikt eingehalten. Viele von ihnen kann ich durchaus nicht billigen, von der Anlage über sogar die Drucktypen bis, neuerdings auch, die Auffassung, die stark hineindringt. Auf eine Änderung habe ich gar keinen Einfluß. Meine Mitarbeit beschränkt sich auf ein Gebiet, das als das meine angesehen wird (englische Beziehungen), und ich halte es für meine Pflicht, diese meine Kenntnisse zur Verfügung zu stellen. In Band 26 ediere ich P.s "Letters on early education addressed to J. P. Greaves, Esq." (1827) und andere kleine Schriften, die nur auf englisch erhalten sind, und in Band 27 trage ich zur Sacherklärung bei, soweit sie englische Beziehungen betrifft. In der Anlage mußte ich mich in den gegebenen Rahmen einfügen, was mir wenig gefiel, aber inhaltlich ist das Gebiet glücklicherweise so selbständig, daß es mit den anderen behandelten Angelegenheiten nicht ins Gehege kommt. Die beiden Bände sollen dieses Jahr erscheinen."

In einem weiteren Brief vom 7. April 1976 geht Silber im Zusammenhang mit ihrer Beteiligung an dem zuerst für 1977 geplanten, dann aber auf 1978 verschobenen Marburger Pestalozzi-Symposion (Vgl. das Themenheft 2/3 der Pädagogischen Rundschau 1980, S. 77-214. Darin u.a.: Kuhlemann, Gerhard u. Manertz, Rainer: Tagungsbericht des Pestalozzi-Symposions der Universität Marburg vom 17.-19. Februar 1978, S. 79-88.) erneut auf die Werkausgabe ein. Zuerst beschreibt sie die fehlende Zusammenarbeit in der Pestalozzi-Forschung (Anmerkung: Auch habe ich, zunächst nur andeutungsweise, gehört, daß die Schweizer für diese Zeit eine Veranstaltung (?) planen - zwei Tagungen zur gleichen Zeit wären wieder einmal ein trauriges Zeichen mangelnder Zusammenarbeit (Sie wissen, wie ich darüber denke) und brächten auch die Gäste in Verlegenheit, die nicht auf zwei Stühlen zugleich sitzen können und daher möglicherweise zwischen beiden, d.h. auf keinem, landen würden.") und macht zu Band 26 die Aussage:

"Band 26 der Kritischen Ausgabe, der die nur auf Englisch erhaltenen Werke Pestalozzis enthält, die ich bearbeitet habe, soll dieser Tage ausgeliefert werden. Leider bin ich mit der Gestaltung des Bandes sehr unzufrieden, wie Sie verstehen werden, wenn Sie ihn sehen."

Diese 1975 und 1976 in beiden Briefen ausgesprochene Kritik an der Edition der Kritischen Ausgabe hat zwei Richtungen: Zum einen richtet sie sich an die seit ca 50 Jahren gültigen und noch immer strikt eingehaltenen Editionsrichtlinien, denen sich auch Silber unterwerfen mußte und zum andern richtet sich Silbers Kritik unausgesprochen an den Redaktor der Kritischen Ausgabe, Emanuel Dejung, und die Tatsache, daß zunehmend auch dessen "Auffassung" in die Werkausgabe hineingedrungen sei. Gemeint ist, daß Dejung über die Herausgabe der Texte hinaus zunehmend interpretatorische Positionen besetzt habe. Silber bezieht sich indirekt auf eine Passage Dejungs in den Sacherklärungen von PSW 17A (Erscheinungsjahr 1973), in der sich Dejung auf den von Froese u.a. herausgegebenen Band "Zur Diskussion: Der politische Pestalozzi" [] bezieht, dem er als ganzes "prinzipielle Schwächen" zuschreibt und zur Begründung nicht sehr überzeugend argumentiert:

"Durch solch methodisch unrichtiges Vorgehen gelangen die Verfasser nicht dazu, das Wesen des Schweizers Pestalozzis zu erkennen. Im Gegensatz zur monarchischen Tradition speziell Norddeutschlands ist bei jedem Schweizer der immanente demokratische Quell der Vergangenheit spürbar, der auf anderen Teilgebieten wie Schule und Erziehung sich auswirkt, die Ideenwelt fundiert und ausprägt." (PSW 17A, S. 328.)

In dem darauf folgenden Text der Sacherklärung gibt Dejung dann aus seiner Sicht einen Überblick über Pestalozzis "ganzes politisches Leben". Silbers Kritik an der Edition der Kritischen Ausgabe und damit natürlich auch an deren Redaktor Emanuel Dejung erklärt die am Ende des Briefs an den Empfänger gerichtete Bitte um Vertraulichkeit. Käte Silber wollte nicht durch die Öffentlichkeit ihrer Kritik die vertrauensvolle und zu diesem Zeitpunkt während der Vorbereitung der Werkbände 26 und 27 sehr enge Zusammenarbeit mit Dejung gefährden.

Zwanzig Jahre später erneuern die Editoren der "dritten" Generation diese Kritik: sie artikulieren das Bedürfnis zur Aktualisierung der Editionsrichtlinien, da die Edition der Texte Pestalozzis nicht mehr an der Entwicklung der editorischen Theorie und Praxis der letzten Jahrzehnte teilgenommen habe []. Tatsächlich zeigen die Bände 17B und 29 ein grundlegend geändertes editorisches Erscheinungsbild. Grundsätzlich gilt, daß nicht mehr die Rekonstruktion eines idealen Textes angestrebt wird, sondern die Dokumentation der realen Textentwicklung. Damit tritt anstelle der Unterscheidungen nach Ur- oder Endfassung, Bruchstück oder Entwurfsfragment nun die Differenzierung nach dem zu Lebzeiten gedruckten und dem nachgelassenen Text und innerhalb des nachgelassenen Textes wiederum die Differenzierung nach Fassungen und Handschriften zu Fassungen. Ohne weiter auf einzelne editorische Veränderungen einzugehen, soll an dieser Stelle nur gesagt werden, daß diese in den zuletzt erschienenen Bänden ausführlich vorgestellt und argumentativ begründet werden. Die Veränderungen spiegeln sich auch deutlich in den Anhängen, vor allem im Anhang I, zuvor "Textkritik", der jetzt nach Angaben zu den fünf Bereichen "Überlieferung, Entstehungsgeschichte, Textkonstituierung, Übersichten, Textkritik" unterteilt ist, was allerdings zu einer deutlichen Ausweitung des Umfangs der Anhänge geführt hat. Jedem Anhangteil ist zudem eine "Einleitung" vorangesetzt, in der jeweils die editorischen Veränderungen im einzelnen beschrieben werden.

Der Werkband 17B enthält das "Journal für die Erziehung" von 1807 zusammen mit dem nachgelassenen Text zu den darin enthaltenen Briefen der von Pestalozzi geplanten neuen Auflage der Schrift "Wie Gertrud ihre Kinder lehrt". Schon im Vorwort wird sichtbar, warum gerade Bd. 17B nicht mehr von Dejung mit den überkommenen Editionsrichtlinien und ohne die Zuhilfenahme der elektronischen Hilfsmittel unserer Tage abgeschlossen werden konnte: Allein die Journalbriefe und der Nachlaß zu den Journalbriefen verteilt sich auf 74 archivalische Einheiten. Zu den zwei zu Lebzeiten gedruckten Fassungen (Erstdruck und Cotta-Ausgabe) kommen vier handschriftlich überarbeitete Fassungen und 59 Handschriften zu Fassungen. Davon sind sechs wiedergegeben, zehn weitere in der Textkritik ausgewertet und die übrigen in ihrer Überlieferung und in ihrem Verhältnis zu Fassungen und zu Handschriften zu Fassungen beschrieben. Gleichzeitig wird begründet, warum sie nicht ebenfalls als edierter Text wiedergegeben werden. Durch die Verzögerung der Edition des Bandes 17A und die von Dejung als "Neue Briefe an Heinrich Geßner" bezeichneten Journalbriefe wurde lange Jahre die Erwartung auf besonders ergiebige Texte genährt, die nach ihrer Veröffentlichung auch eine neue Interpretation Pestalozzis zur Folge haben müßten. Diese hohe Erwartung erfüllt sich nicht, denn die Texte sichern zwar bekannte Ergebnisse ab, modifizieren diese auch in einigen Details, sind aber doch Teil des gesamten Textvolumens und ordnen sich in Gedankengänge und Entwicklungen des Autors ein, die ähnlich auch in anderen Texten zum Ausdruck kommen.

In den Nachtragsband 29 sind insgesamt 32 Texte aufgenommen, davon vier Drucke und 28 nachgelassene Handschriften, von denen 22 vollständig von Pestalozzis Hand, fünf teilweise von Pestalozzis Hand und die Nachschrift eines Vortrags Pestalozzis von Niederers Hand geschrieben sind. Erst durch Abgleich mit der elektronischen Volltextdatenbank sämtlicher Werke und Briefe konnten einige ursprünglich für den Druck in diesem Nachtragsband vorgesehene Texte als bereits gedruckt identifiziert werden, aber noch in den Jahren 1991 bis 1995 konnten drei weitere Handschriften aufgefunden werden. Natürlich zeigen auch die Texte des Nachtragsbands mit Texten aus den Jahren 1781-1818 keinen ganz neuen Pestalozzi, aber einzelne Positionen Pestalozzis werden gerade in den zum Teil sehr kurzen Texten nun doch klarer, quasi auf den Punkt gebracht, als in seinen schon zu Lebzeiten gedruckten und heute oft ermüdend zu lesenden umfangreichen Schriften. So zeigt der Text "Lieber Herr Escher" [] (S. 101-106) das autobiographische Ringen Pestalozzis mit seiner Vergangenheit, der Text "Nein! Wen ich au[ch] sint 30 Jahren ..." (S. 107-110) einen eher kämpferischen Pestalozzi ("Nein, keine Verbindung meiner kunst- und wüssenschafftsleeren Anschauungsfülle mit ihrer anschauungsleeren Kunst- und Wüssenschafftsfülle", S. 109) und der Text "Ermüdet, von uns selber an der Nase herum geführt ..." (S. 9396) einen ebenso wortgewaltigen wie illusionslosen Pestalozzi: "kent das Volk wie ein eingekarreter Postzug kein Recht und hat keinen Willen mehr als die Geißel des Mans, der auf dem Bokk hockt, ins Horn bläst und mit der Geißel klatsch[t]" (S. 95). Durchgängig deutlich wird in allen diesen Texten Pestalozzis politischer und gesellschaftspolitischer Antrieb und die Wirkung der politischen Ereignisse der 90er Jahre auf Pestalozzi: "Es ist wirklich, ich kan das hungrende Weib an meiner Thüre und meines eignen Kinds vergessen, wen ein trugvoller Tagzedel von einem Gemezelt eine Neuheit verkündet" ("Ich fühle, wie mein Auge das Nahe besser siehet ...", S. 75). Vier anonyme Drucke Pestalozzis zur Veltlinerfrage zeigen deutlicher als bisher das Ausmaß von Pestalozzis Einmischungen in die politischen Auseinandersetzungen seiner Zeit, hier in die bündnerischen Angelegenheiten von 1790 [].

Die 1996 erschienenen Werkbände 17B und 29 ermöglichen zudem einen anschaulichen Blick in Pestalozzis literarische Werkstatt wie er durch die davor erschienenen Bände nicht möglich ist. Da die Reproduktion von Texten zu Pestalozzis Zeit nur durch handschriftliches Abschreiben erreicht werden konnte, liegen von Pestalozzis Texten teilweise zahlreiche Abschriften verschiedener Hände vor, wobei Pestalozzi die Abschriften häufig veränderte bzw. korrigierte. Gerade diese Vielzahl von überlieferten handschriftlichen Fassungen von Texten machte die kritische Ausgabe von Pestalozzis Werken so schwierig und ließ den Publikationszeitraum auf 70 Jahre wachsen, aber gleichzeitig werden dadurch in einmaliger Weise Entwicklungen und Denkstrukturen des Autors sichtbar und wurde eine trotz zahlreicher Textverluste doch recht vollständige Werkausgabe möglich.