Die empirische Basis des pädagogischen Denkens bei Pestalozzi

Inge Birk

Erlangen-Nürnberg: Friedrich-Alexander-Univ., Diss. 1970, 381 S.

Erlangen-Nürnberg: Friedrich-Alexander-Univ., Diss. 1970, 381 S.

Inge Birk äußert vorab, daß die Pestalozzi-Forschung bisher ihre Aufgabe in der interpretierenden Vermittlung von Pestalozzis Gedankengut sieht. So betont sie, daß die meisten Arbeiten über eine Ideen- und Problemgeschichte nicht hinaus kommen bzw. nicht die Frage stellen, wie Pestalozzi wirklich zu seinen pädagogischen Konzepten und Theorien kommt. Sie sprechen viel "über" Pestalozzi, fragen aber selten nach der Ausgangsbasis und dem Ansatz bei der Entwicklung seiner Pädagogik. Damit beabsichtigt Birk keineswegs, die bisherigen Untersuchungen von Pestalozzis Ideen- und Gedankenwelt in Frage zu stellen. Vielmehr möchte sie mit ihrem Beitrag auf den von der Pestalozzi-Forschung kaum beachteten, von Pestalozzi selbst aber als entscheidend betrachteten, fundamentalen Ansatz seiner Pädagogik aufmerksam machen.

Birk geht in ihrer Arbeit darauf ein, daß Pestalozzi selbst in all seinen Schriften immer wieder auf die empirische Basis seiner Pädagogik verweist. Darüber hinaus mache Pestalozzi seinen persönlichen Lebenslauf letztlich für seinen Weg zur Empirie verantwortlich. Birk unterstreicht dies in dem sie Pestalozzi aus dem "Schwanengesang" zitiert: "Bei diesem Gang meines Lebens konnte ich nicht anders als auf der einen Seite über den Gegenstand meiner Bestrebungen wichtige Erfahrungen machen, anderseits auch zu einigen Resultaten gelangen, die den Freunden der Menschheit und der Erziehung nicht gleichgültig sein können". (S. 354)

Birk beschreibt zur Erläuterung das Vorgehen in ihrer Arbeit. Der erste Schritt besteht in der allgemeinen Durchsicht der Quellen für den Zeitraum bis 1800, um so zu einer ersten Orientierung und zur Differenzierung der Quellen zu gelangen. Um die Brauchbarkeit einzelner Texte Pestalozzis im Hinblick auf ihre Fragestellung zu prüfen, nimmt sie eine formale Unterscheidung des Materials vor. Hier trennt sie literarische von nichtliterarische Formen, zum Beispiel das Tagebuch der Braut- und Eheleute Pestalozzis, autobiographische Aufzeichnungen, Bittschriften, Flugblätter, Memoralia, Aufsätze, Fabeln, Abhandlungen, Romane und Pestalozzis ausführlichen Briefwechsel.

Ein zweiter methodischer Schritt, den Birk aufzeigt, ist die inhaltliche Aufgliederung des Materials. Diese bezieht sich auf die Eruierung des empirischen Gehaltes der pädagogischen, aber auch im begrenzten Umfang gesellschaftlich relevanten Schriften, sowie auf die methodologischen Aussagen über die Empirie. Der Stellenwert dieser Schriften im Schaffen Pestalozzis wird von Birk in dieser Arbeit näher umschrieben und ihre Bedeutung genauer bestimmt.

Dem Abschluß ihrer Arbeit erfolgt ein ausführlicher Anhang und ein mehrseitiges Literaturverzeichnis.

Biographische Angaben zur Autorin:

Inge Birk, geboren am 16. Mai 1936 in Stuttgart. 1942-1947 Besuch der Volksschule in Stuttgart und Fulgenstadt Kreis Saulgau. Mittlere Reife in Trossingen 1951. Bis 1956 Besuch der Lehrerinnen-Oberschule in Schwenningen mit abschließender Reifeprüfung. 1956 Beginn der Ausbildung zur Volksschullehrerin mit Abschluß der Lehramtsprüfung 1958. Dreijährige Tätigkeit als Volksschullehrerin in Heuchlingen Kreis Heidenheim und Göppingen. 1961 Beginn des Studiums der Pädagogik, Philosophie und Geschichte an der Universität Tübingen, Fortsetzung 1962 in Erlangen, 1963 in Tübingen, 1964 wieder in Erlangen.

(AR)