Johann Heinrich Pestalozzi. Mensch, Philosoph, Politiker, Erzieher

Friedrich Delekat

Heidelberg: Quelle & Meyer, 1968, 370 S.

Heidelberg: Quelle & Meyer, 1968, 370 S.

Friedrich Delekats vorliegendes Werk ist die gründliche Überarbeitung der ersten Auflage von 1926. Die Neuauflage war notwendig, da die Pestalozzi-Literatur sich um wesentliche Beiträge vermehrt und die pädagogischen Probleme sich seit 1926 stark verändert hatten. Aufriß und Kapiteleinteilung des Buches sind geblieben, ebenso die geschichtliche Fragestellung.

Das erste Kapitel trägt nun die Überschrift: "Die ideologischen Grundlagen der Aufklärungspädagogik". Delekat möchte hier zum Ausdruck bringen, daß die ausführliche Behandlung der romanischen Mystik nicht den Zweck hat, zwischen ihr und Pestalozzi eine persönliche Beziehung herzustellen, denn Pestalozzi war laut Delekat kein Mystiker. Delekat betont aber, daß zwischen der romanischen Mystik und der Aufklärung in allen entscheidenden Fragen der Theologie, der Weltanschauung, der Anthropologie, der Natur- und Geschichtsdeutung ein deutlicher ideologischer Zusammenhang besteht, nicht zuletzt vermittelt durch den strengen Pietismus.

Das zweite Kapitel: "Die Persönlichkeit Pestalozzis" ist ebenfalls übernommen worden und geht auf Pestalozzis schriftstellerischen Stil bzw. auf die Stilgattungen, die er benutzt, ein. Darüber hinaus zeigt Delekat auf, welche Spannungen Pestalozzi aushalten muß, um so schreiben zu können, wie er schreibt, und die besondere Wahrheit zu sagen, die auszusprechen er sich berufen fühlt.

Im dritten Kapitel werden große Abschnitte aus der ersten Auflage übernommen, jedoch nicht ohne Änderungen. Delekat behandelt Pestalozzis Schriften von der "Abendstunde eines Einsiedlers" bis zu den "Nachforschungen über den Gang der Natur in der Entwicklung des Menschengeschlechts". Grundsätzlich geht es dabei um die Frage, ob Pestalozzi eigentlich ein Politiker gewesen und nur aus Resignation zum "Schulmeister" geworden ist. Delekat leitet allgemein zur Frage des Verhältnisses von Politik und Pädagogik über. Es ist ihm an dieser Stelle wichtig, die sozialen Interessen Pestalozzis, sein politisches Engagement und den Konflikt zwischen Pädagogik und Politik hervorzuheben, in dem Pestalozzi zeitlebens gestanden ist.

Die beiden letzten Kapitel schreibt Delekat völlig neu. Pestalozzis Stellung zur Religion, zur Kirche, zum Pietismus und zur Person Jesu Christi bedarf nach der Meinung Delekats einer gründlichen entwicklungsgeschichtlichen und kritischen Behandlung. Schon Pestalozzis Terminologie verlange eine Einordnung seiner Gedanken in die zeitgenössische Philosophie. Hier geht Delekat auf die Beziehung Pestalozzis zu Kant ein. Beide sind Vertreter eines auf die Erfahrung bezogenen Apriorismus, verfolgen aber ganz verschiedene Zwecke.

Delekat hat Pestalozzi in diesem Werk durch Zitate viel zu Wort kommen lassen um ihn den Lesern so lebendig wie möglich zu halten. Im Anschluß des Buches befindet sich ein achtzehnseitiges Personen-, Orts- und Sachregister.

Biographische Angaben zum Autor:

Friedrich Delekat (1892-1970). Studium der Theologie, Philosophie und Pädagogik in Tübingen, Berlin und Göttingen. 1919-1929 Pfarrer in Priebus/Schlesien, 1925-1929 Leiter des Religionspädagogischen Institut in Berlin. 1929 Prof. der Religionswissenschaft an der TH Dresden. 1937 Zwangspensionierung durch die Nationalsozialisten wegen seines Engagements in der Bekennden Kirche. 1943 stellvertretender Stadtpfarrer in Stuttgart. 1946 Übernahme der Professur für systematische Theologie, Pädagogik, Philosophie und Politik an der Universität Mainz.

(AR)