Die Liebe zum Kind und das Begehren des Erziehers : Erziehungskonzeption und Schreibweise pädagogischer Texte von Pestalozzi und Jean Paul

Hans-Christoph Koller

Weinheim : Dt. Studien-Verl., 1990 : 394 S. (Studien zur Philosophie und Theorie der Bildung ; 10)

Weinheim : Dt. Studien-Verl., 1990 : 394 S.

Koller nähert sich dem Thema (jene Momente erzieherischen Handelns zu hinterfragen, durch welche emergente Prozesse evoziert werden, sowie nach jenen, durch die sie eher blockiert werden) von einer Seite, die in der bisherigen erziehungswissenschaftlichen Diskussion eher eine geringere Rolle gespielt hat: aus psychoanalytischer Perspektive fragt er nach der unbewußten Struktur der pädagogischen Verhältnisse. Hierbei nimmt er die linguistische Reformulierung der Psychoanalyse Freuds durch J. Lacan als Leitlinie. Dies hat den Vorteil, daß das pädagogische Verhältnis als sprachliche Interaktion begriffen werden kann. Die zentrale These der Arbeit besagt, daß die Art und Weise, in der die pädagogische Liebe sich zum unbewußten Begehren des Erziehers verhält, an der sprachlichen Struktur pädagogischer Texte abzulesen ist.

Koller untersucht pädagogische Texte und nimmt hierbei eine methodische Haltung ein, die in der Erziehungswissenschaft noch neu ist. Er liest und bespricht diese Texte nach der Frage, welche sprachlichen Prozeduren welchen Sinn hervorbringen.

Der Mittelpunkt der Analyse wird durch die beiden rhetorischen Figuren der Metapher und der Metonymie gebildet.

Koller zeigt, daß allein schon die Texte Pestalozzis (dem "Klassiker") und Jean Pauls (dem "Romantiker") so gegensätzlich sind, daß in ihnen die gegensätzlichen Haltungen erzieherischen Handelns sehr deutlich werden. Er veranschaulicht, wie die pädagogische Liebe Pestalozzis das Kind in eine symbiotische Bindung an den Erzieher einschließt, während Jean Pauls Pädagogik prinzipiell für jede Erziehungsform offen scheint.

Grundsätzlich ist das vorliegende Buch in zwei Teilen aufgebaut.

Teil eins behandelt die "Liebe zum Kind, Begehren und Schrift um 1800". Teil zwei widmet Koller zunächst "Pestalozzi" (oder dem "schreibenden Erzieher") um anschließend auf "Jean Paul" (oder den "pädagogischen Druckfehler") einzugehen.

Eine abschließende Betrachtung der Ausführungen nimmt der Autor in dem Kapitel "Textlektüre und Erziehungswissenschaft" vor, um im Anschluß daran eine ausführliche Liste Anmerkungen sowie ein sehr ausführlich gestaltetes Literaturverzeichnis folgen zu lassen.

Biographische Angaben zum Autor:

Dr. phil. Hans-Christoph Koller wurde 1956 geboren. Er ist derzeit als Hochschulassistentan der Universität Hamburg tätig.

Die vorliegende Arbeit wurde 1989 mit dem Wilhelm-Flitner-Preis ausgezeichnet, den der Fachbereich Erziehungswissenschaft der Universität Hamburg erstmals für die beste Dissertation der damals letzten beiden Jahre vergeben hat.

(SH)