Das Verhältnis Carl Ritters zu Pestalozzi und sein Einfluss auf die Geographie als Wissenschaft und als Schulfach.

Ernst Martin

Verlag Pestalozzianum: Zürich, 2003. 76 Seiten

Buchcover
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In der vorliegenden Studie geht Martin auf das Verhältnis Carl Ritters (1779-1859) zu Pestalozzi ein und weist bei Ritter, der neben Alexander von Humboldt als der Begründer der wissenschaftlichen Geographie gilt, einen starken Einfluss von Pestalozzi nach.

Ritter war geprägt vom Einfluss des Philanthropismus, er verbrachte seine Schulzeit in dem von Salzmann gegründeten Erziehungsinstitut in Schnepfenthal bei Gotha, wo er schon früh vor allem durch Guths Muths zum Zeichnen und zur Geographie fand. Nach seinem Studium in Halle und während seiner langjährigen Hauslehrertätigkeit in Frankfurt a.M. bei der Bankiersfamilie Bethmann-Hollweg besuchte Ritter erstmals 1807 zusammen mit seinen beiden Zöglingen Pestalozzi in Yverdon. Schon 1809 kam Ritter erneut nach Yverdon und führte mit Pestalozzi und anderen Mitarbeitern einen regen Briefwechsel und lebte danach mit seinen beiden Zöglingen für zwei Jahre in Genf. Ab 1820 lehrte Ritter in Berlin als Professor für Erd-, Länder-, Völker- und Staatenkunde.

Besonders beeindruckt war Ritter von Pestalozzis „Gang der Methode“, also des Übersetzens des Unterrichtsstoffes in ein dem Lernenden angemessenes zeitliches Nacheinander von Aufnahme-, Verarbeitungs- und Aneignungsschritten. Für diese Idee vom Gang der Methode, die er bei Pestalozzi aber noch nicht voll ausgearbeitet sah, warb Ritter auf vielfältige Weise und versuchte sie später im Bereich der geographischen Wissenschaften umzusetzen. Geographie ist für Ritter nicht nur die Kenntnis räumlicher Verhältnisse und Gegenstände, sondern notwendiger Teil der Ausbildung des Menschen und der Menschenbildung. Geographie hat für ihn einen primären Bildungswert und eine erhebliche Bildungswirkung. Ritter ist kein naturwissenschaftlicher Geograph, für ihn ist die Erde zuerst der Schauplatz der Wirksamkeit des Menschen. Damit wird die Geographie zu einem idealen Bildungsinhalt, sie zeigt das Fundamentale, Elementare und Exemplarische, sie baut auf Anschauung und Erfahrung und schafft eine enge Verbindung von Natur, Landschaft und Menschen.

In seiner Studie greift Martin auf die erhaltenen aber großteils unveröffentlichten Briefe Ritters an Pestalozzi zurück und macht deutlich, wie wichtig die Ergänzung der Wissenschaftlichen Gesamtausgabe von Pestalozzis Werken und Briefen durch die Ergänzung der an Pestalozzi gerichteten Briefe ist. Erst durch die Kenntnis dieser Briefe kann zusätzlicher Aufschluss über Pestalozzi gewonnen werden, aber natürlich auch über die Briefschreiber, die oft auf das Geistes- und Kulturleben ihrer Zeit größeren Einfluss genommen haben.