Heinrich Pestalozzi. Die Geschichte seines Lebens.

Lavater-Sloman, Mary

Buchcover
Buchcover: Lavater-Sloman, Mary Heinrich Pestalozzi. Die Geschichte seines Lebens.

Zürich: Römerhof Verlag 2013, 507 S. (Erstausgabe: Zürich, Artemis-Verl. 1954).

In einer typographisch ansprechenden Ausgabe ist Lavater-Slomans Pestalozzi-Biographie von 1954 neu erschienen.

In 39 durchnummerierten Kapiteln erzählt Lavater-Sloman chronologisch das Leben Pestalozzis in einer Mischung aus Verehrung („einer der grössten Menschenfreunde, die je über diese Erde gingen“, S. 13), Recherchen und Zitaten (durchweg ohne Quellenangaben) und literarischer Fiktion („während der alte Mann, schlief, krumm, verhunzelt und bescheiden ... Sein Gesicht, das nur noch aus pergamentener Haut und verzerrten Falten bestand, habe sich tiefer mit den Schmerzen eines erschreckten Schmerzes gefüllt ...“, S. 454).

Zuerst gibt die Autorin ein anschauliches Bild des Zürich zu Pestalozzis Kindheit und Jugendzeit mit Pestalozzis früher Prägung durch seine Aufenthalte in Höngg und seiner Teilhabe an der Bewegung der „Patrioten“. Besonders ausführlich beschreibt Lavater-Sloman die Jahre der Brautzeit Pestalozzis mit Anna Schulthess und stützt sich dabei auf die erhaltenen Brautbriefe der beiden, die 1946 in den Bänden 1 und 2 der Kritischen Ausgabe von Pestalozzis Briefen (PSB 1 u, 2) publiziert sind.

Im Mittelpunkt des Buchs stehen Pestalozzis Jahre auf dem Neuhof (Kap. 10-18), die Autorin beschreibt diese Zeit ausführlich mit zahlreichen Briefauszügen. Die bekannten Werke Pestalozzis dieser Zeit werden aber nicht inhaltlich vorgestellt, von „Lienhard und Gertrud“, „Über Gesetzgebung und Kindermord“ und „Nachforschungen“ wird nur kurz über das Entstehen und von Pestalozzis Beweggründen gesprochen. Eingehend wird dagegen über Anna Pestalozzi und den Sohn Jean Jacques berichtet, auch über die Begegnung 1791 mit Nicolovius, die Verbindung zu Fichte, Lavater und anderen Personen der Zeit werden angeführt und die Wirkungen der Französischen Revolution auf Pestalozzi angesprochen.

In dem folgenden Kapitel (Kap. 20) werden der Stäfner Handel, die Helvetischen Umwälzungen und Pestalozzis Wirken in Stans und in den Kapiteln 21-27 Pestalozzis Tätigkeit in Burgdorf , erst als Lehrer an einer Schule und dann als Leiter eines Erziehungsintituts im Schloss Burgdorf, beschrieben. Hier scharen sich die ersten Mitarbeiter um Pestalozzi: Krüsi, Ramsauer, Tobler u.a., das Buch „Wie Gertrud ihre Kinder lehrt“ entsteht und immer mehr Besucher kommen in das Institut. In dieser Zeit fährt Pestalozzi nach Paris, um am Zustandekommen der Mediationsakte teilzunehmen. In der Folgezeit muss Pestalozzi Burgdorf verlassen und die Mitarbeiter Niederer und Schmid kommen hinzu.

In den Kapiteln 29-37 beginnt die Darstellung der Yverdoner Jahre, die Preussischen Eleven kommen nach Yverdon, Anna Pestalozzi stirbt, die Cotta-Ausgabe entsteht und Pestalozzis andauerndes Bemühen um die Errichtung einer Armenanstalt wird deutlich. Auch der Streit unter den Lehrern und Mitarbeiten wird anschaulich dargestellt, der mit der Pfingstpredigt Niederers 1917 ihren Höhepunkt erreicht. In den Kapiteln 38 und 39 werden die beiden letzten Lebensjahre Pestalozzis auf dem Neuhof erzählt.

Lavater-Sloman ist mit ihrer Roman-Biographie Pestalozzis ein anschauliches und gut lesbares Werk gelungen, aber es ist zuallererst eine literarische Aufarbeitung mit fiktionalen Einschüben, die zur wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit Pestalozzi und seinem literarischen Werk eher weniger beiträgt.

(GK)