Isreal, August

Pestalozzi-Bibliographie. Die Schriften u. Briefe Pestalozzis nach der Zeitfolge. Schriften u. Aufsätze über ihn nach Inhalt u. Zeitfolge, 3 Bde. Berlin 1903/04, Reproduktion 1976 by Rinsen book.

Bd. 1: Die Schriften Pestalozzis. XXXV, 636 S.
Bd. 2: Die Briefe Pestalozzis. X, 339 S.
Bd. 3: Schriften u. Aufsätze über Pestalozzi. LVIII, 639 S.

Bd. 1: Die Schriften Pestalozzis. XXXV, 636 S.
Bd. 2: Die Briefe Pestalozzis. X, 339 S.
Bd. 3: Schriften u. Aufsätze über Pestalozzi. LVIII, 639 S.

Die dreibändige und mit 1.717 Seiten geradezu monumentale „Pestalozzi-Bibliographie“ ist bis heute eine unersetzliche Fundgrube zur Pestalozzi-Rezeption im 19. Jahrhundert, vor allem da sie nicht nur die leicht recherchierbaren Buchveröffentlichungen aufführt, sondern auch kleine und verstreut publizierte Zeitungs- und Zeitschriftenartikel. Dieses Werk ist im heutigen Verständnis keine Bibliographie, sondern eine Mischung aus Textauszügen, Inhaltsangaben, editionsgeschichtlichen Erläuterungen und der Wiedergabe von Archivmaterialien, sowohl von Pestalozzis Werken als auch von Beiträgen über Pestalozzi. Israel geht dabei chronologisch vor von „Agis“ (1765) bis zu „Meine Lebensschicksale als Vorsteher meiner Erziehungsinstitute in Burgdorf und Yverdon“ von 1826, wobei „Pestalozzi’s Schwanengesang“ von 1826 im ersten Band unberücksichtigt bleibt. Zur Orientierung in Israels Veröffentlichung eignen sich am besten die ausführlichen Inhaltsverzeichnisse im ersten (S. XIII-XXXV) und im dritten Band (S. VII-LVIII). Zusätzlich enthält der dritte Band ein Personenregister (S. 618-634) und ein alphabetisches Verzeichnis von Pestalozzis Schriften (S.635-639).

Der erste Band (XXXV, 636 S.) enthält die „Schriften Pestalozzis“. Schon im Vorwort formuliert Israel, was bis in die heutige Zeit wiederholt wird, dass Pestalozzi letztlich nur als „mythische Person“ bekannt sei: „Pestalozzi ist ein Name, der in den Kreisen der Volksschullehrer wie ein Heiliger – verehrt und gefeiert wird, obwohl Kenner behaupten: ‚Den meisten ist er eine mythische Person‘“ und ergänzt, dass es eine „steigende Teilnahme der Fachgelehrten an Pestalozzis eigentlichem Lebenswerk, seine ‚Entdeckung‘ als Sozialpädagoge“ gäbe (S. IX). In dem vorgeschalteten Artikel „Über Pestalozzis Art und Weise zu schriftstellern“ (S. 3-10), zeigt Israel anhand von Pestalozzis Aussagen in seinen Briefen an Iselin und Nicolovius, dass Pestalozzi jegliche schriftstellerische Kunst ferngelegen habe, denn immer wenn er an seinen Texten gefeilt habe, sei dabei oft die Frische der ersten Fassung verloren gegangen. Schon im ersten Kapitel “Jugend- und Neuhofzeit. Stans. 1765-1799“ (S. 13-140) wird eine Schwäche von Israels Arbeit sichtbar: Die Werke Pestalozzis sind zwar leicht in ihrer chronologischen Abfolge darzustellen, nicht aber die sekundären Veröffentlichungen zu den Werken Pestalozzis. Der Schwerpunkt der sekundären „bibliographischen“ Angaben liegt auf Peszalozzis bekanntesten Werken „Lienhard und Gertrud“, „Wie Gertrud ihre Kinder lehrt“ und den von Pestalozzi nicht selbst ausgearbeiteten Elementarbüchern. Besonders interessant sind die Kapitel III und IV: „Iferten I. Bis zum Tode der Frau Pestalozzi. Juli 1805-1815“ (S. 277-475) und „Iferten II. Lebensabend. 1816-1827“ (S. 476-601). Neben den Ausführungen zu Pestalozzis Werken sind hier vor allem die Augenzeugenberichte über das Institut in Yverdon interessant, es sind dies Berichte und Briefauszüge aus den Jahren 1805-1815 von Besuchern, Lehrern und Schülern in Yverdon. Diese Augenzeugenberichte reichen von langjährigen Lehrern am Institut wie Blochmann, Krüsi, Schacht, Mieg und Niederer bis hin zu den Berichten zahlreicher Besucher in Yverdon. Im Kapitel zu Pestalozzis Lebensabend geht Israel auf die vertraglichen Abmachungen mit Fellenberg ein, auf die Werke dieser Jahre, erneut auf Augenzeugenberichte von Besuchern des Instituts und auf die Darstellung der Streitschriften in der Auseinandersetzung zwischen Niederer und Schmid. Selbst in der Liste der Reden Pestalozzis (S. 357-388) fliessen neben den bibliographischen Angaben ebenfalls zahlreiche Augenzeugenberichte von Mitarbeitern und Besuchern ein. Alle diese Berichte geben durchaus ein detailreiches Bild der Zustände und Abläufe im Institut, aber Israel führt diese vielfältigen Eindrücke und Aussagen nicht zu einer Gesamtschau des Instituts zusammen. Das Kapitel schliesst mit Angaben zu „Kleine Stücke. Vorläufer zu den Lebensschicksalen II“, zu „Lebensschicksale II. 1826“, zu „Verhandlungen der helvetischen Gesellschaft zu Langenthal im Jahre 1826“, zu „Autobiographische Bruchstücke“, zu „Zeugnisse und Verträge“ zu „Stücke in gebundener Form, meist unvollendet“ und zu „Stammbuchblätter und Ähnliches“. Im Anhang stellt Israel die Ausgaben der Schriften Pestalozzis und der Zeitschriften zur Pestalozzikunde zusammen, zusätzlich verschiedene Verzeichnisse und Angaben zum Pestalozzianum in Zürich (S. 602-636).

Im zweiten Band (X, 339 S.) stellt Israel die Briefe Pestalozzis zusammen, am Anfang steht eine alphabetische Liste der Briefempfänger (S. V-X). Diese Zusammenstellung der Briefe Pestalozzis mischt Briefe mit Auszügen aus diesen, mit Angaben zur Fundstelle, mit Inhaltsangaben und mit Angaben zu den Empfängern und zu den in den Briefen genannten Personen. Die zeitliche Einteilung der Briefe folgt der Gliederung des ersten Bandes: „I. Jugend- und Neuhofzeit. Stans. 1767-1799“ (S. 6-47), „II. Burgdorf und Buchsee. 1800-Juni 1805“ (S. 48-117), „III. Iferten I. Bis zum Tode der Frau Pestalozzi. Juli 1805-1815“ (S. 118-236) und „IV. Iferten II. Lebensabend. 1816-1827“ (S. 237-339). Bei der Zusammenstellung der Briefe stützt sich Israel auf die vierbändige Biographie Pestalozzis von Heinrich Morf, auf Veröffentlichungen in den Pestalozzi-Blättern, in den Pestalozzi-Studien und auf Materialien des Pestalozzianums bzw. des Pestalozzistübchens in Zürich. Nach der wissenschaftlichen Gesamtausgabe der Briefe Pestalozzis hat dieser Band von Israels Bibliographie seinen Stellenwert in der Pestalozzi-Rezeption weitgehend verloren. In der 13bändigen wissenschaftlichen Gesamtausgabe von Pestalozzis Briefen von 1946-1971 sind alle 6252 von ihm überlieferten Briefe chronologisch veröffentlicht und mit einem wissenschaftlichen Apparat versehen: Textkritik, Sacherklärung, Spracherklärung, Register der Briefempfänger und einem Namen- und Ortsregister. Der Nachtragsband von 1995 bietet weitere Briefe und briefähnliche Dokumente und einen deutlich differenzierteren Anhangteil. In den einzelnen Briefbänden sind immer nur die Briefempfänger der in diesem Band veröffentlichten Briefe erfasst. Alle Briefempfänger zusammen finden sich im Registerband I zur Kritischen Ausgabe von Pestalozzis Sämtlichen Werken und Briefen (S. 637-691).

Der dritte Band (LVIII, 639 S.) von Israels Pestalozzi-Bibliographie „Schriften und Aufsätze über Pestalozzi“ bietet ebenso wie der erste Band eine Fülle von Material zur Pestalozzi-Rezeption im 19. Jahrhundert, aber Israels Gliederung der Schriften über Pestalozzi macht den Zugriff nicht leicht: Israel gliedert einmal nach den inhaltlichen Punkten Pestalozzis Methode und Pestalozzis Leben, danach unter weiteren Unterpunkten. Pestalozzis Methode unter den sechs Unterpunkten: „Theoretische Grundlage“, „Als Unterrichtsmethode“, „Als Menschenbildung (Sozialpädagogik)“, „Anwendung auf einzelne Unterrichtsfächer“, „Anwendung auf Schulen“ und „Im Vergleiche mit andern Systemen“ und Pestalozzis Leben unter den sechs Unterpunkten: „Lebensbeschreibungen“, „Einzelheiten aus Pestalozzis Leben“, „Persönliche Beziehungen: Verwandte, Freunde, Gegner, Erziehungsgesellschaften“, „Pestalozzifeiern“, ‚Pestalozzivereine und -stiftungen“ und „Diplome. Büsten und Bilder. Denkmäler und Denkmünze. Autographe. Loge. Strassennamen. Reisen an die Pestalozzistätten. Verschiedenes“. Unter diesen 12 Unterpunkten werden dann die Veröffentlichungen über Pestalozzi zuerst nach dem Erscheinungsjahr geordnet und danach nach dem Alphabet der Autoren. Die aufgeführten Schriften über Pestalozzis Leben bzw. seine Methode werden in der Regel jeweils nach ihrem Inhalt annotiert, manche sehr kurz, andere recht ausführlich. Es werden Buchveröffentlichungen und teilweise kurze Zeitungs- und Zeitschriftenbeiträge vermischt, wobei die alphabetische Gliederung nicht konsequent durchgehalten wird und oft Autoren, Herausgeber oder Titel der Zeitungs- bzw. Zeitschriftenbeiträge die Reihenfolge der Angaben bestimmen. Diese Gliederung der Beiträge macht die Recherche nicht einfach: Israel hat nicht nach Autoren gegliedert, diese werden jeweils an unterschiedlichen Stellen angeführt. Israel hat auch keine Zusammenfassung seiner Ergebnisse versucht, sondern es bei den isoliert stehenden Annotationen belassen. Der dritte Band schliesst mit Nachträgen zu den drei Bänden (S. 553-617) und mit einem Personenregister (S. 618-634). Dieses unterscheidet nur mit kursiv gesetzten Zahlen nach Buchtiteln, wobei eine weitere Differenzierung fehlt, was eine Recherche wie bei den ca. 300 Seitenverweisen zu Niederer äusserst aufwendig macht.

Zusammenfassung.

Die dreibändige Pestalozzi-Bibliographie von Israel bietet mit ihrer Vielzahl von annotierten Buch-, Zeitungs- und Zeitschriftenbeiträgen eine unersetzliche Quelle für die Pestalozzi-Rezeption im 19. Jahrhundert. Obwohl Israel schon für das 19. Jahrhundert festhält, dass Pestalozzi für weite Kreise der Lehrerschaft letztlich eine mythische Person gewesen sei, leistet seine Bibliographie keinen eigenständigen Beitrag zur Pestalozzi-Rezeption: Er führt die zusammengetragenen Annotationen nicht zu einem übergreifenden Gesamtbild Pestalozzis zusammen. Besonders die Aussagen der Mitarbeiter, Besucher und Briefpartner Pestalozzis bieten viele interessante Einblicke in die Verhältnisse in Pestalozzis Erziehungsinstitut in Yverdon, aber trotzdem belässt es Israel bei diesen Beiträgen bei annotierten Angaben zu den jeweiligen Veröffentlichungen, ohne ein Gesamtbild zu entwerfen. Die Recherche in diesem Werk ist nicht einfach, am besten eignen sich dazu die ausführlichen Inhaltsverzeichnisse und begrenzt das Personenregister im dritten Band.

(Gerhard Kuhlemann)