Natorp, Paul

Pestalozzi. Sein Leben und seine Ideen.

Leipzig 1909, 134 S.

Paul Natorp (1854-1924) war von 1893-1922 Professor für Philosophie und Pädagogik an der Philipps-Universität Marburg und hat ein umfangreiches wissenschaftliches Werk hinterlassen. In der Philosophie ist Natorp ein massgeblicher Vertreter des Neukantianismus, er hatte bei Hermann Cohen habilitiert, der als Begründer der Marburger Schule des Neukantianismus gilt. In seinen sozialpädagogischen Schriften vertritt Natorp eher sozialliberale Positionen, setzt sich für Frauenemanzipation ein, wendet sich gegen die Todesstrafe und das preussische Dreiklassenwahlrecht. Mit seiner Begabung als Musiker ist Natorp weniger an die Öffentlichkeit getreten, aber er komponierte Kammermusik und schrieb Lieder.

Natorps Veröffentlichung über Pestalozzi war bis in die 20er Jahre weit verbreitet und erschien in zahlreichen Auflagen. Für seine Darstellung von Pestalozzis Leben und seinen Ideen kann er sich auf ergiebige Quellen stützen: Die von Seyffarth herausgegebene Ausgabe von Pestalozzis Sämtlichen Werken, die dreibändige Pestalozzi-Bibliographie von August Israel und die vierbändige Pestalozzi-Biographie von Heinrich Morf . Natorp will eine vom gelehrten Ballast befreite Darstellung von Pestalozzis Ideen vorstellen und eine Systematik dieser Ideen herausarbeiten.

Im ersten Kapitel „Pestalozzis Lebensgang und Entwicklungsgeschichte seiner Ideen“ (S. 4-34) legt Natorp die Basis für seine Überlegungen. Zuerst schildert er Pestalozzis Scheitern als Landwirt auf seinem Gut Neuhof, das Scheitern der dortigen Armenanstalt und die ersten grossen Werke „Die Abendstunde eines Einsiedlers“ und „Lienhard und Gertrud“. Bereits in diesen Werken wird für Natorp deutlich, dass Pestalozzi die Unterordnung der Berufsbildung unter die allgemeine Menschenbildung fordert, und er die häuslichen Verhältnisse für die ersten Verhältnisse der Natur hält. In dem Volksbuch „Lienhard und Gertrud“ von 1781 verbirgt sich die Lehre hinter einer lebendigen und packenden Geschichte. In den Fortsetzungsbänden zeigt Pestalozzi, wie es zu den schlimmen Zuständen kommen konnte und die geradezu zu einem Handbuch der sozialen Pädagogik werden. Die Bildung des „Herzens“ sowie die sittliche Bildung haben dabei eine überragende Bedeutung gegenüber der Bildung des Kopfes und der Hand. Mit der Französischen Revolution verbindet Pestalozzi die Fragen der Erziehung eng mit den Fragen von Wirtschaft und Politik. Natorp führt hier die Werke „Ja oder Nein?“, „Meine Nachforschungen über den Gang der Natur in der Entwicklung des Menschengeschlechts“ (Nachforschungen), die Fabeln („Figuren zu meinem ABC-Buch oder zu den Anfangsgründen meines Denkens“) und die beiden Zehntenschriften an. In der Reflexion seiner Tätigkeit in Stans („Stanser Brief“) werden für Pestalozzi die Idee der Elementarbildung und die Idee der Anschauung zu zentralen Themen, Anschauung ist dabei keinesfalls nur die sinnliche Wahrnehmung. In Burgdorf wird von Pestalozzi die Grundforderung des Ausgehens von den Elementen und des Fortschreitens von diesen zu allen höheren Stufen des Unterrichts entwickelt. Das Werk „Wie Gertrud ihre Kinder lehrt, ein Versuch den Müttern Anleitung zu geben, ihre Kinder selbst zu unterrichten“ ist das Hauptdokument für das, was Pestalozzi seine „Methode“ nennt. Die Elementarpunkte der menschlichen Bildung, Zahl, Form und Laut/Sprache werden darin allerdings überschätzt, Pestalozzi „strebe intensive Bildung an, nicht bloss extensive, formale statt materialer; er gehe aus auf die Entwickelung der Denk- und Erkenntniskraft und lege nicht den Schwerpunkt in das zu erkennende Objekt.“ (S. 25). Pestalozzis Zeit in Münchenbuchsee und Yverdon unterteilt Natorp in „Die Glanzzeit“ (S. 25-29) und „Der Verfall“ (S.29-32). Im ersten Teil beschreibt er die Unterschiede zwischen Niederer und Schmid und zeigt, dass Pestalozzi in der Lenzburger Rede „Über die Idee der Elementarbildung“ noch einmal seine Ideen und Hoffnungen zusammenfasst und besonders deutlich den Begriff des „erziehenden Unterrichts“ herausarbeitet. Den Verfall beschreibt Natorp unter den fortdauernden Fehden des Instituts mit einer Flut von Streitschriften, dem unversöhnlichen Streit zwischen Niederer und Schmid und zwischen Niederer und Pestalozzi, wobei sich Pestalozzi ganz an Schmid anschliesst. Von den Werken dieser Zeit nennt Natorp „An die Unschuld, den Ernst und den Edelmuth meines Zeitalters und meines Vaterlandes“ und die Reden an sein Haus, davon herausragend die Neujahrsrede von 1811. Im Abschnitt „Pestalozzis letzte Lebenstage“ (S.32-34) geht Natorp noch auf Pestalozzis Überschätzung von Schmid und auf Niederers Unversöhnlichkeit ein, aber in den Werken „Meine Lebensschicksale als Vorsteher meiner Erziehungsinstitute in Burgdorf und Iferten“ und „Pestalozzi’s Schwanengesang“ nimmt Pestalozzi die Hauptlast der Schuld auf sich und ist zur Versöhnung selbst mit seinem bittersten Gegner bereit (S. 33).

Dieser konzentrierte Bericht zu Pestalozzis Leben und Entwicklung wird die Grundlage des zweiten Kapitels „Die Prinzipien der Pestalozzischen Pädagogik“ (S. 35-84), in dem Natorp eine Systematik der Pestalozzischen Ideen aufzuzeigen versucht. Pestalozzi mangele es an analytischer Schärfe, aber seine Synthese sei von grosser Tiefe. Diese Systematik in Pestalozzis Erziehungslehre herauszuarbeiten, sieht Natorp als seine Aufgabe an, wobei sich das Wort „Natur“, durch alle Werke Pestalozzis zieht.

Natorp stellt fünf Prinzipien vor, um Pestalozzis Werke systematisch zu erfassen, wozu Pestalozzi selbst nicht in der Lage gewesen sei. Das erste Prinzip der Spontaneität (S. 41-51) besagt, dass die Bildung des Menschen immer Selbstentfaltung der eigenen Kräfte sein muss und jede Erziehung immer nur Hilfe zur Selbsthilfe sein kann, greifbar ausgedrückt in der Formel, dass der Mensch als sittliches Wesen immer das „Werk seiner selbst ist“. Es sind allein die Kräfte, die im Menschen selbst liegen, die nur zur Entfaltung gebracht werden müssen. Das zweite Prinzip der Methode (S. 51-58) steht in engem Zusammenhang mit der von Pestalozzi geforderten Elementarbildung und meint das Ausgehen von den wahren Anfängen und einem stetigen Fortschreiten. In den Werken der Burgdorfer Zeit wird die Grundforderung der Methode deutlich: Das Ausgehen von Elementen, dem lückenlosen Fortschreiten bis zur Vollendung in einem Ganzen. Für Pestalozzi selbst ist die Methode allgemeingültig, sie hat eine unendliche Entwicklungsfähigkeit und kann sich dadurch an die Besonderheit der Bildungsinhalte und an die Individualität der zu Bildenden anpassen. In „Pestalozzi’s Schwanengesang“ wird deutlich, dass Methode kein äusserliches Mechanisieren bedeuten darf, schon die Elementarbildung ist bestrebt, jeden einzelnen Schritt der Bildung zur Vollendung zu bringen, ehe sie weitergeht und weckt so im Menschen ein Streben nach Vollendung und nach einem Gleichgewicht der Kräfte.

Das dritte Prinzip ist das Prinzip der Anschauung (S. 58-68). Zeigt das Prinzip der Spontaneität, dass Bildung immer vom Menschen selbst ausgehen muss und das Prinzip der Methode das allgemeine Gesetz des Ganges dieser Bildung, so bezeichnet das Prinzip der Anschauung „den vollen Tatcharakter dieser Selbstbildung“ (S. 59), denn es geht immer um ein aktives Schauen. Anschauung ist nicht reine Rezeption, sondern die Kraft der Gestaltung des Gegenstandes, die „hinschauende Gestaltung des Gegenstandes“ (S. 60). Natorp bezieht sich dabei auf „Wie Gertrud ihre Kinder lehrt“ und das „ABC der Anschauung“. Erst Form, Zahl und Sprache lässt aus der unbestimmten und der bloss sinnlichen Vorstellungskraft die bestimmte und nicht mehr bloss sinnliche Sicht der Gegenstände erwachsen. Das vierte Prinzip ist das Prinzip des Gleichgewichts der Kräfte (S. 68-72). Nach Pestalozzi müssen sich die Grundkräfte, die geistige, sittliche und physische Bildung harmonisch und im Gleichgewicht naturgemäss entfalten. Alle Kräfte des Menschen entwickeln sich nur durch ihre Betätigung. Erst die Harmonie und das Gleichgewicht dieser drei Grundkräfte, der sittlichen, geistigen und physischen Grundkräfte, führt zur wahren Menschenbildung, jedes Ungleichgewicht führt zur „Unnatur“ des Menschen. Das fünfte Prinzip ist das Prinzip der Gemeinschaft (S. 73-84). Zwar ist Bildung immer nur die Selbstbildung des Individuums, aber dazu bedarf es der Hilfe zur Selbsthilfe, denn ohne die Gemeinschaft wird das Individuum nicht zum Menschen. Bildung ist zwar zuerst Sache des Individuums, aber ebenso eine Sache der Gemeinschaft. In diesem Sinne ist Pestalozzis Pädagogik immer auch Sozialpädagogik. In der Auseinandersetzung mit Rousseau, der nicht einfach als Individualpädagoge abgestempelt werden darf, kommt Pestalozzi zu der Überzeugung, dass in jedem Menschen der Keim des echten Menschentums angelegt ist, aber erst die Umstände den Menschen machen, wobei der Mensch wiederum die Umstände macht. Es sind die nächsten Verhältnisse, die den Menschen bilden, denn der Mensch lebt nicht allein in der Welt. Es sind die häuslichen Verhältnisse, die Familie, das Vaterhaus und die Mutter-Kind-Beziehung, welche die Grundlage aller Bildung des Menschen legen. In den „Nachforschungen“ wird dies an den drei Zuständen besonders deutlich: Der reine Naturzustand ist nur theoretisch vorhanden, er hat nie wirklich existiert. Der gesellschaftliche Zustand ist der Zustand der gesellschaftlichen Vereinigung, weder gemildert durch natürliche oder sittliche Rücksichten. Der sittliche Zustand existiert ebenso wenig in seiner reinen Form, es ist immer nur eine Annäherung an diesen idealen Zustand möglich. Die sozialen Ordnungen müssen in den Dienst der Menschenbildung treten, die Individuen selbst werden von Pestalozzi nie ausserhalb ihrer sozialen Beziehungen gesehen.

Im dritten Kapitel befasst sich Natorp mit „Pestalozzis Pädagogik in ihrer Durchführung“ (S. 84-133) und unterteilt seine Darstellung in „Die sittliche Bildung“ (S. 86-108) und „Die Verstandesbildung (S. 108-132). Grundlage ist immer die Autonomie und Freiheit des Menschen, zu der er aber erst erzogen werden muss. Die sittliche Bildung erhält ihre Grundlagen im häuslichen Kreis, in der „Wohnstube“. Das häusliche Leben, der Vater- und Muttersinn der Eltern, besonders aber die Liebe und das Tun der Mutter ist das von der Natur vorgegebene Fundament jeder Erziehung. Die Pflichten und Zwänge des menschlichen Lebens werden durch die Liebe und das Vorbild der Mutter gemildert und dadurch für das Kind selbstverständlich. In der nächsten Stufe erheben sich die sittlichen Begriffe vom häuslichen zum bürgerlichen Kreis, die Schule wird zu der sozial erziehenden Kraft. Die familiäre Erziehung in der „Wohnstube“ wird für Pestalozzi zum Muster für die Schulerziehung, wobei die Erziehung der Armen auf gewerblicher Arbeit beruhen muss. Aber das soziale Leben und die sozialen Zustände, der Staat, die Wirtschaft und die Schule müssen so gestaltet sein, dass sie sich ausrichten auf die sittliche Bildung des ganzen Volkes und zur Entwicklung aller menschlichen Kräfte und Anlagen. Mit der Revolution in Frankreich tritt Pestalozzi entschieden auf die Seite des sein Menschenrecht fordernden Volkes, und fordert in „Die Abendstunde eines Einsiedlers“: „Allgemeine Emporbildung dieser inneren Kräfte der Menschennatur zu reiner Menschenweisheit ist (daher) allgemeiner Zweck der Bildung auch der niedrigsten Menschen“. Natorp nimmt im weiteren Verlauf Kritikpunkte an Pestalozzi vorweg, die erst Jahrzehnte später thematisiert werden sollten: Für Pestalozzi ist allein Erziehung Aufgabe der Schule, während Unterricht in den Hintergrund tritt. Die Idee einer Nationalschule, also die Organisation eines einheitlichen Schul- und Unterrichtswesens auf demokratischer Basis für alle Kinder ist nicht von Pestalozzi initiiert, sondern ging eindeutig von Frankreich aus. Zwar lag diese Entwicklung durchaus in der Konsequenz von Pestalozzis Grundsätzen, aber er selbst hat diese Konsequenz nicht gezogen. In einem Abschnitt zur Religion setzt sich Natorp mit dem Verhältnis von Religion und Sittlichkeit auseinander. Sittliche Erziehung ist nicht die sittliche Lehre von Tugenden, sondern immer nur das Erleben der sittlichen Tat. Gott ist für Pestalozzi „der letzte Ausdruck des reinen sittlichen Wesens des Menschen“ (S. 103). Religion wird immer innerhalb der Grenzen der Humanität eingeordnet, nicht durch Bilder und Worte, sondern allein durch sein Tun findet der Mensch zur Religion. Die sittliche Bildung geht am Anfang immer vom häuslichen Leben aus, also vom Verhältnis Mutter - Kind und dehnt sich von hier auf die weiteren Lebenskreise des Menschen aus. Es ist Pestalozzi und seinen Mitarbeitern allerdings nicht gelungen, auf diesen Voraussetzungen eine Methodik des Religionsunterrichts aufzubauen.

Im Kapitel „Die Verstandesbildung“ (S. 108-132) betont Natorp die Notwendigkeit der gleichzeitigen Entwicklung der Einsicht des Verstandes und der Kraft der ausführenden Tat, wobei die Theorie immer erst der Praxis folgen muss. Für Pestalozzi wird die mathematische Verstandesbildung grundlegend, und er kommt zu den drei Elementarpunkten Zahl, Form und Laut/Sprache. In der Rechenmethode wird das Bewusstsein der Zahlen am sinnlichen Material gewonnen, der Gang der Anschauung wird zum reinen Verstandesgang. Pestalozzi sieht in der mathematischen Erkenntnis das Fundament für menschliches Erkennen. In den Elementen der Zahl- und Raumlehre erreichten die Schüler des Instituts in Yverdon ein hohes Mass an Selbsttätigkeit und Kraftentfaltung. Allerdings wurde zu lange und zu starr an der Durcharbeitung der Elemente Zahl und Form festgehalten und dadurch eine freiere Entwicklung zum Begriff und zu allgemeinen Gesetzen verhindert. Das dritte Element der Bildung ist die Sprache, die Erkenntnis des Menschen muss immer von ihm selbst ausgehen. Die früheste Sprachbildung geht von der Mutter aus, das Kind soll schrittweise zu der sich dem Kind sichtbar darstellenden Welt gebracht werden. Über Reihen von Substantiven und Adjektiven, die deren Merkmale ausdrücken, soll die Erkenntnis der Sprache erreicht und über diese Lehrgänge der Mutter eine Vorbereitung des Kindes auf den Schulunterricht ermöglicht werden. Sprache muss sich dabei immer zugleich mit der Sachanschauung entwickeln, aber eine überzeugende Sprachlehre bzw. Sprachbildung konnte Pestalozzi nicht vorlegen. Die Stärke von Pestalozzis Unterrichtslehre liegt eindeutig in der Elementar- und Grundbildung, während die methodische Bearbeitung einzelner Fächer nach dem elementaren Unterricht deutlich zurücktritt. Vom naturkundlichen Unterricht und den Realfächern gingen mit wenigen Ausnahmen von Yverdon keine wesentlichen Impulse aus. So sieht beispielsweise Ritter in Yverdon die Anregungen für seine geographischen Forschungen begründet. Auch im Zeichnen und Gesang konnte das Institut in Yverdon Impulse geben, vor allem durch Nägeli und Pfeiffer, obwohl Kunst im ästhetischen Sinne bei Pestalozzi keine selbständige Stellung besass, da er unter Kunst nur technische Fertigkeit und physisches Können verstand.  

Im dritten Teil gibt Natorp eine Darstellung von „Pestalozzis Pädagogik in ihrer Durchführung“. In diesem Teil seines Werks geht er auf die sittliche Bildung, die Verstandesbildung und die physische und Kunstbildung ein. Dieser recht kurz gehaltene Teil der Veröffentlichung ist weniger überzeugend, auch wenn Natorps Kritik an der realen Umsetzung beispielweise der Methode in der schulischen Realität deutlich wird. An mehreren Stellen verweist Natorp auf die Übereinstimmung von Pestalozzis Gedanken mit denen von Immanuel Kant, vor allem Fichte habe Pestalozzi mit den Vorstellungen Kants bekannt gemacht. So heisst es beispielsweise: „Dieser sachliche Zusammenhang, vielmehr diese völlige Einheit der Grundmeinung Pestalozzis und Kants wurde von den Zeitgenossen sofort erkannt und sehr bemerkenswert gefunden … Pestalozzi selbst musste erst von anderen darauf aufmerksam gemacht werden.“ (S. 117).

Beim Lesen von Natorps Veröffentlichung aus dem Jahr 1909 stellt sich die Frage, welchen Stellenwert diese Veröffentlichung zu Pestalozzis Leben und Werk hat. Im ersten Kapitel ist der konzentrierte Überblick über Pestalozzis Leben durchaus lesenswert, gibt aber der Pestalozzi-Rezeption keine neuen Impulse. Allerdings sieht Natorp in dieser Darstellung die notwendige Grundlage für seine eigentliche Bemühung, die Pestalozzische Pädagogik mit fünf Prinzipien analytisch zu erfassen. Diese fünf Prinzipien sind die Prinzipien der Spontaneität, der Methode, der Anschauung, des Gleichgewichts der Kräfte und der Gemeinschaft. In diesem mittleren Teil liegt der originelle Ansatz von Natorp, er will die fast ausschliesslich synthetischen Gedankengänge Pestalozzis analytisch erfassen und glaubt sie mit diesen fünf Prinzipien beschreiben zu können. Natorps analytische Erfassung von Pestalozzis Pädagogik anhand dieser fünf Prinzipien erfasst sicher wesentliche Punkte von Pestalozzis Pädagogik, aber es bleibt die Frage, ob das vielschichtige Werk Pestalozzis zutreffend auf die genannten fünf Prinzipien reduziert werden kann.

 

(Gerhard Kuhlemann)